Meine schnönste Niederlage

Alles relativ

In der achten Klasse ging das Tor zu einer neuen Welt auf, zur großen Welt der Physik. Rückblickend kann ich sagen: Es war nicht meine Welt und ich hätte es mir sparen können, diese Schwelle zu überschreiten, denn ich habe alles, wirklich alles vergessen. Ohm – das ist doch dieser Laut, den Buddhisten beim Meditieren immer brummeln, oder? In der achten Klasse kam ich an Volt, Ohm, Ampere und dem anderen Kram jedenfalls nicht vorbei. Nach einer kurzen Phase des Mittelmaßes pendelten sich meine Noten in Physik zwischen vier und fünf ein, meine Leistungen waren sehr konstant. Das bedeutet jedoch nicht, dass eine Vier beziehungsweise eine Fünf wie die andere gewesen wäre. Nein, zumindest eine Fünf ist mir im Gedächtnis geblieben.

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Wie jedes Mal anlässlich der Herausgabe einer Klausur kritzelte der Physiklehrer Lösungswege an die Tafel, nur unterbrochen von Schimpftiraden, in denen er das mangelnde physikalische Verständnis seiner Schüler monierte. Aufgabe um Aufgabe wurde mir klarer, dass ich auch dieses Mal mein Leistungsniveau halten würde. Gegen Ende der Klausurbesprechung wurde der Lehrer auf einmal sehr still, aber nur um den bislang lautesten und am heftigsten von Fassungslosigkeit gekennzeichneten Klassenanpfiff zu halten. »Wie oft haben wir das zusammen gemacht, wie oft? Ich habe euch noch gesagt, das kommt dran, aber man braucht ja nicht zu hören anscheinend. Das ist wirklich unglaublich, unglaublich.« Gesenkte Blicke in der Klasse. »Diese Aufgabe hat wirklich keiner zustande gebracht. Keiner – außer Markus.« Ich hob meinen Kopf. »Aber das ist auch das Einzige, das er richtig hat.« Ich senkte meinen Kopf wieder. Kurz darauf wurde mir meine Klausur ausgehändigt, ich guckte mir die Aufgabe an, die nur ich gelöst hatte, und die Fünf auf der Klausur. Meine beste Fünf aller Zeiten. Fünf doppelplus mit Stern mindestens.