»Ich finde sie geil«

Dirk von Lowtzow, Sänger und Gitarrist von Tocotronic, spielte am vergangenen Sonntag auf der Demonstration der feministischen Kampagne »Pinkstinks« in Berlin. »Pinkstinks Germany« wurde im Jahr 2012 von der Geschlechterforscherin Stevie Schmiedel in Anlehnung an »Pinkstinks UK« gegründet und kritisiert Sexismus in der Werbung. Dirk von Lowtzow hat mit der Jungle World gesprochen.

Worum geht es dir bei deiner Teilnahme an »Pinkstinks«?
Die Demonstration heute ist gegen sexistische Werbung, es geht dabei aber um Sexismus in seiner Totalität. Die Darstellung von Frauen als sexuell verfügbar, die tagtägliche Erfahrung sexualisierter Gewalt, der dadurch Vorschub geleistet wird, deren Tabuisierung, Verharmlosung und die in Zusammenhang damit stehende Kultur der Straflosigkeit sind Teil eines Ganzen, das als Ganzes bekämpft werden muss. Das Thema liegt mir sehr am Herzen. Ich bin seit den Neunzigern beeinflusst von feministischer Theorie, und ich finde sie geil.
Bist du auch im Alltag praktizierender Feminist?
Ich versuche, einer zu sein, gerade als Rockmusiker. Das ist ja ein Feld, wo man ständig mit Sexismen aller Art konfrontiert ist: sowohl mit sexistischer Rockmusik als auch mit der sexistischen Behandlung von Rockmusikerinnen im Business.
Welche Reaktionen erlebst du eigentlich, wenn du als männlicher Rockmusiker Sexismus thematisierst?
Ich hatte jetzt im Vorfeld auch ein kurzes Interview mit der Presse, da herrscht schon von so einer älteren Männerseite totales Unverständnis. Man merkt auch, dass Leute, die eigentlich politisch ganz okay sind, also keine total rechten Idioten, trotzdem ein totales Problem mit Gender und feministischer Theorie haben. Sie halten das für Quatsch und meinen, immer dagegen polemisieren zu müssen.
Das geht selbstverständlich gar nicht.
Ich kann diese Markierungen nicht ausstehen: Mann, Frau. Dieser Dualismus scheint einigen Leuten sehr wichtig zu sein. Die halten halt die Auflösung dieser Konstrukte für Kokolores. Im Indierock wird Sexismus nur sehr selten thematisiert und viel weniger als in den Neunzigern. Mittlerweile hat sich ein sehr männerdominiertes, kumpelhaftes Indierock-Verständnis breitgemacht. Ich finde, dass man dagegen ankämpfen muss.
Du trägst ja übrigens eine pinke Hose. Hat das irgendeine subversive Bedeutung?
An Subversion glaube ich nicht, das ist Friedrich-von-Borries-Quatsch. Das ist einfach eine schöne Hose von Carven. I like fashion.

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