Streit über eine Pornofilmdarstellerin in der NPD

Porno und Propaganda

Eine ehemalige Pornofilmdarstellerin sorgt für Ärger in der rechten Szene. Ina G. ist heute fremdenfeindlich, hat aber früher auch mit Schwarzen gedreht. Daher werfen Neonazis ihr »Rassenschande« vor.

Was mag Holger Apfel über die derzeitige braune Schlammschlacht wohl denken? Der ehemalige Bundesvorsitzende der NPD verließ Ende 2013 resigniert seine Partei. Es kursierten Vorwürfe, er habe zwei junge »Kameraden« sexuell belästigt. Ina G., die früher als Pornodarstellerin und Sexarbeiterin tätig war, tummelt sich derweil munter in der NPD-, Neonazi- und rechtsextremen Hooligan-Szene, posiert etwa für Fotos mit Apfels Vorgänger Udo Voigt und NPD-Generalsekretär Peter Marx. Im Internet tobt ein Shitstorm.

»Nationalismus darf auch sexy sein« – diesen Slogan verbreitete Ina G. seit Ende 2013 via Facebook. Sie warnte vor der »Asylflut« und kündigte nach einem früheren Engagement in NPD-Kreisen im Raum Krefeld und Duisburg an, sich nun in der Pfalz zu engagieren. Dort wolle sie im Mai für die Bürgerinitiative »Gegen Einwanderung ins soziale Netz« bei den Wahlen zum Kreistag Südwestpfalz kandidieren. Mit Ironie versucht G. ihr altes Gewerbe hinter sich zu lassen, indem sie mitteilt, sie »prostituiere« sich »wieder«. Der »Escortservice« heiße jedoch nun »Deutschland«. Derweil posiert sie auf einem auf Facebook von ihr publizierten Foto mit zwei Männern aus dem Umfeld des Clubs »Asgard Germanen MC Mannheim«. G. trägt auf dem Bild zum Leopardentop kniehohe Stiefel, lederne Hot Pants sowie eine aufreizende Strumpfhose, Marke Sexshop.
G. behauptet, Mitte 2013 mit ihrer Vergangenheit als Sexarbeiterin gebrochen zu haben. Angesichts solcher und ähnlicher Auftritte wie beim »Asgard Germanen MC Mannheim« bezweifeln das jedoch User in Neonazi-Foren und sozialen Netzwerken. Mancher vermutet, G. arbeite immer noch im Gewerbe und ihr Engagement im »Nationalen Widerstand« sei eine geschickte Selbstvermarktung. Andere mutmaßen, Fotos mit Partei­granden wie Voigt oder Marx seien ein Honorarjob und würden in kommenden Wahlkämpfen medial ausgeschlachtet. G., so Kommentatoren, sei »geschickt« worden – von den Medien, den Demokraten, dem Verfassungsschutz.
G. war bis etwa Mitte 2013 eher bekannt unter ihrem Schauspielnamen »Kitty Blair« und dem Dienstleisterinnen-Alias »Miss Blair«. Als Kitty Blair hat die junge Frau in teils sehr extremen Pornofilmen mitgewirkt und ihre Dienste als »Erotikmodel« angeboten. Unter beiden Pseudonymen hat G. zudem für Agenturen und Sexclubs gearbeitet, die Gruppensex-Partys organisieren und den Mangel an Frauen dabei durch eigenes Personal aufstocken. Zudem soll G. teilweise im Domina-Gewerbe gejobbt haben sowie Männer mit einem Fetisch bezüglich körperlicher Ausscheidungen befriedigt haben. Als Kitty Blair wirkte G. auch in einer Folge der RTL2-Serie »Frauentausch« mit.

Erstmals für Aufsehen sorgte G. in der rechten Szene, als sie für die NPD in Duisburg als Weihnachtsfrau verkleidet am 4. Advent auf dem Weihnachtsmarkt warb. Seit Jahren schon nutzen NPD-Verbände bundesweit Weihnachtsmärkte, um unauffällig mit verkleideten Nikoläusen Süßigkeiten an Kinder und NPD-Propaganda an Erwachsene zu verteilen. NPD-Verbände am Niederrhein in Nordrhein-Westfalen gingen dabei noch einen Schritt weiter und ließen derlei durch Weihnachtsfrauen verteilen. Junge Frauen in Lederstiefeln, Strumpfhosen und manchmal auch recht kurzen Weihnachtsmänteln dienten dabei als besonderer Blickfang.
Zu den beiden »freundlichen Weihnachtsfrauen« (NPD-Selbstdarstellung) in Duisburg gehörte 2013 also auch Ina G., deren Vergangenheit als Pornodarstellerin von der NPD in einem entsprechenden Bericht nicht erwähnt wurde. »Das von den Medien verzerrte Bild der NPD konnte auch an diesem Tage wieder erfolgreich verbessert werden«, teilte die Partei zu der Weihnachtsmarktaktion mit. »Vollauf zufrieden« habe sich die Duisburger Kreisvorsitzende Melanie Händelkes »mit der gelungenen Aktion« gezeigt. Händelkes, zugleich als Beisitzerin Mitglied im nordrhein-westfälischen Landesvorstand der NPD, posierte auch auf einem der dazu publizierten Fotos mit den beiden Weihnachtsfrauen, also auch mit G.

Anders als Händelkes sahen das jedoch die »Kameraden« in Neonazi-Foren und sozialen Netzwerken, die die NPD-Propagandaaktion mit Kitty Blair hämisch bis hasserfüllt kommentierten. Besonders problematisch schien ihnen dabei, dass die junge Frau in Pornofilmen auch Sex mit schwarzen Männern gehabt hat. »Deutsche, die mit Baumwollpflückern auf sexueller Grundlage verkehren, müssen geistesgestört sein«, kommentierte einer. »Diese Frau hat Hochverrat an ihrem Volk und Blut begangen«, meinte ein anderer. Sie habe, fand einer der User, »weltweit auf ewig im Netz öffentlich einsehbare Rassenschande« begangen.
Ein Forenautor aus dem Umfeld der NPD-Niederrhein teilte indes mit, dass die Frau »sich vor einer Mitgliedschaft als Aktivistin bewehren (sic!) soll. Das tut sie nun und ich finde auch sehr gut. Was die vorzeigbaren Frauen angeht, so können wir am Niederrhein nicht klagen«. Doch die verstärkten Aktivitäten in rechten Kreisen, zweifelhafte Posen bei Fotoaktionen durch G. sowie ­offenbar die Ankündigung rechtlicher Schritte gegen Personen, die über ihre Vergangenheit berichteten, sorgten für wachsenden Unmut. Kommentarschreiber warfen der heute selbst fremdenfeindlich auftretenden G. vor, eine »Hure« zu sein, bei der man sich eine »Affenseuche (…) einfangen« könne.
G. sei ein »Stück Dreck«, wurde da gepöbelt, oder gar, sie sei eine »Scheiße fressende Niggerhure« und »Menschenmüll«. Ein User fand, wer »diese verkommene NPD-Porno-Sau« ein »Mädel« nenne, beleidige das historische Vorbild, nämlich den »Bund deutscher Mädel« (BDM). Ein User schimpfte G. ein »Ekelvieh«, in einem Bericht ­einer Neonazigruppe nannte man G. einen »Minusmenschen«, der in der »jüngeren Vergangenheit eine moralisch zweifelhafte Tätigkeit« ausgeübt »und darüber hinaus auch noch öffentlich und ohne Reue Rassenschande« begangen habe.
Einer seit dem 20. März im Internet verbreiteten Stellungnahme zufolge will das NPD-Parteipräsidium Ina G. nun zur »unerwünschten Person« erklärt haben. Sie dürfe künftig »in keinem Fall zu NPD-Veranstaltungen und sonstigen Aktivitäten aller Art zugelassen werden«, heißt es in der kurzen Stellungnahme weiter. Zumindest das dürfte sie mit Apfel gemeinsam haben.