Lefiga rules!

Jetzt schleicht also auch der Sigmar Gabriel bei Pegida herum, rein privat zwar, aber nichtsdestoweniger mit gespitzten Ohren: Da soll doch angeblich Volkes Stimme zu lauschen sein, und wenn die einer so ungefiltert wie möglich hören muss, dann doch der ehemalige Popbeauftragte der SPD, dem das Populäre so nahe ist wie sein Hosenbund, nämlich als ständiger, niemals erreichbarer Erwartungshorizont. Er irrt sich natürlich, wie so viele, die glauben, da eine neue Volks- beziehungsweise Querfront aufmarschieren zu sehen: Es handelt sich einfach um eine völlige Individualisierung des Politischen, die Auflösung gemeinschaftlich organisierter Forderungen in regional getönte Stimmungslagen. Mal steht Legida gegen Pegida, dann stehen sie wieder zusammen, dann klinkt sich Hogesa dazu, schließlich finanzieren Trigema und Helaba das Schnittchenbüffet auf Lampedusa.
Die Vielfalt all dieser Mini-Bewegungen liegt voll im Trend: Denn in Zeiten, da jeder, der möchte, seinen Namen auf einer Cola-Flasche oder einem Nutella-Glas wiederfinden kann, der braucht so etwas wie eine Partei wohl tatsächlich nicht mehr, der braucht ein ganz auf seine eigene Person zugeschnittenes Politkonzept, mit sich selbst als einzigem Mitglied, Wähler und Repräsentanten. Lefiga, Leo Fischer gegen das Abendland, das wäre noch was, da würde ich mitmarschieren, mich öffentlich selbst bejubelnd, mir aber auch hinterher im privaten Rahmen heftige Flügelkämpfe liefern: Heißt Abendland, schon am Nachmittag in richtiger Kleidung herumzulaufen und nicht noch im Schlafanzug? Zählt die Biographie Herbert Feuersteins zum Abendland oder ist sie doch eine Entartung? Ich bin bereit, mich zu diesen und ähnlichen Fragen jederzeit mit Sigmar Gabriel auseinanderzusetzen! Auch wenn’s schwerfällt.

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