Skinhead in safranrot

Eigentlich wirkt er recht harmlos, wie er so sanft, haarlos und in safranrote Tücher gewickelt vor sich hin predigt. Doch der buddhistische Mönch Ashin Wirathu kann ganz schön garstig sein. Am vorvergangenen Freitag beschimpfte er die UN-Sonderberichterstatterin für Myanmar, Yanghee Lee, als »Hure«. Sie hatte buddhistisch-nationalistische Gesetzesvorhaben kritisiert und die Gewalt gegen die muslimische Bevölkerung verurteilt. Das fand der 46jährige Mönch anmaßend. Muslime machen nur etwa fünf Prozent der Bevölkerung Myanmars aus, das hält Wirathu und Tausende seiner Anhänger nicht davon ab, aufgrund der angeblich hohen Geburtenrate von Muslimen vor der Islamisierung des Landes zu warnen. Außerdem seien Muslime für alle möglichen Verbrechen verantwortlich. Einst äußerte Wirathu auch Bewunderung für die English Defence League. Dabei betont der Buddhist stets, er sei doch völlig friedlich. Wirathu und seine Skinheadfreunde könnten sich wohl auch prima bei »Pegida« wiederfinden. Auch den Antifeminismus teilen beide Bewegungen. So unterstützen die buddhistischen Nationalisten ein Gesetzesvorhaben, das es burmesischen Buddhistinnen nur nach offizieller Erlaubnis gestattet, Männer anderen Glaubens zu heiraten. Schließlich würden die Frauen von ihren muslimischen Ehemännern sonst zur Konversion gezwungen, so Wirathu.
Anders als in Deutschland, wo es bei den antimuslimischen Vaterlandsverteidigern meist bei Rhetorik bleibt, gab es in Myanmar in den vergangenen Jahren immer wieder gewalttätige Ausschreitungen gegen die muslimische Minderheit, vor allem gegen die im Rakhaing-Staat lebenden muslimischen Rohingya – Hunderte starben, Hunderttausende mussten fliehen. Als Anführer der nationalistischen Bewegung »969«, die für die tödliche Hetze gegen Muslime verantwortlich gemacht wurde, wurde Wirathu 2003 zu 25 Jahren Haft verurteilt, 2010 aber vorzeitig entlassen. Zwar verurteilt die Regierung Myanmars antimuslimische Gewalt, doch weiterhin wird Rohingya die Staatsbürgerschaft verwehrt und nach den Ausschreitungen von 2012 wurden Zehntausende einfach zwangsumgesiedelt. Wirathus jüngste Beleidigung Yanghee Lees wurde offiziell nicht verurteilt, die Sonderberichtserstatterin müsse selbst Anzeige erstatten. Nur ein Imageschaden für den Buddhismus wegen radikaler Rassisten wie Wirathu wird befürchtet. Kennt man ja.

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