Pöbel & Geschimpf

Sleaford Mods veröffentlichen ihr achtes Album und es klingt weitgehend so wie »Divide and Exit«, die Platte, die 2014 den Durchbruch brachte. Also schroffe, billige Beats von Andrew Fearn zu Jason Williamsons wütendem, unflätigem Geschimpfe in breitestem Midlands-Slang: Sleaford Motz! Das Duo aus Nottingham sieht auch keinerlei Anlass zu Feinziselierungen bei Sound und Konzept: fucking shit, posy shit, wankers, bastards, twat, cunt, die die die – so quillt es touretteartig aus Williamson heraus, die Welt ist scheiße, die Verhältnisse sind scheiße, gestern, heute, morgen. Darauf warmes Büchsenbier und einen dicken Rülpser. Wer das nicht abkann, soll abhauen, zu Alt-J oder sonstwem.
Außerdem, das soll nicht verschwiegen werden, gibt es in Tracks wie »Bronx in a Six« und »Tarantula Deadly Cargo« durchaus dicke Bässe und Dub-Anflüge, also: Shut up, fockin’ artistry! Sleaford Mods feuern auf alle denkbaren Ziele, Politiker (Johnson, Cameron, Clegg, Miliband), Weichei-Bands (Von Bondies), Möchtegern-Coole, die in Fünfziger-Jahre-Lederjacken rumlaufen. Ihre Rundumschläge sind immer gefährlich nah dran am prolligen Auskotz-Duktus, kriegen aber dank Ironie und Reflexion die Kurve, Orientierungslosigkeit ist das Los der Metropolenbewohner. Wer’s nicht schon weiß, merkt es jetzt: Sleaford Mods gehören in die Reihe der notorischen englischen (weißen, männlichen) Schimpfer wie Mark E. Smith (The Fall) und Mike Skinner (The Streets). »Everyone spits on you, even your wife!«

Sleaford Mods: Key Markets (Harbinger Sound/Cargo Records)