»Die Putschisten sind zufriedengestellt«

Bei den nordrhein-westfälischen Bürgermeisterwahlen erzielte die Partei »Die Partei« nur Achtungserfolge. Ihr Vorsitzender, der Europaabgeordnete Martin Sonneborn, rechtfertigt sich.

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Ihr Kandidat Dominic Greger erhielt in Stemwede zwölf Prozent der Stimmen, Björn »Hose« Werner in Wuppertal jedoch nur 2,3 Prozent. Waren dessen Wahlkampfslogans wie »Ich bin im Einklang mit mir selbst, du Ficker« am Ende nicht zu verkopft?
Nein, das ist ein ganz normaler Slogan in der modernen Turbopolitik, die wir pflegen. Hose hat in Wuppertal die anvisierten 2 222 Stimmen abgefischt. Aber die Wahlbeteiligung war einfach zu hoch mit knapp 37 Prozent. Lassen Sie die noch ein wenig sinken, dann haben wir bei der nächsten Landtagswahl mit derselben Stimmenzahl die absolute Mehrheit.
Unlängst war in den Medien von einer tiefen Krise in der »Partei« die Rede – stärkt der Wahlausgang in Nordrhein-Westfalen Ihre Stellung als »Großer Vorsitzender« gegen die parteiinternen Putschisten?
Die Putschisten sind längst zufriedengestellt worden. Mit Geld.
Welchen Platz hat »Die Partei« angesichts der jüngsten Umbrüche eigentlich noch in der deutschen Parteienlandschaft? Vor der Gründung der »Alternative für Deutschland« (AfD) waren Sie nach eigener Auskunft der Vorsitzende der »Partei der extremen Mitte« – hat Ihnen die AfD diesen Titel nicht längst schon streitig gemacht?
Keineswegs, die Betonung bei uns liegt ja auf »Mitte«. Ich sehe die AfD auch mehr als ein vorübergehendes Phänomen, ähnlich wie die Piratenpartei oder den VfL Wolfsburg.
Wie agiert eigentlich die alte AfD-Gruppe im EU-Parlament nach der Spaltung in AfD und Bernd Luckes Alfa?
Soweit ich das sehe, ignoriert man sich geflissentlich. Ich nehme aber eigentlich nur Lucke wahr, weil er so ein Strebertyp ist, der im Plenum weit vorne sitzt und sich dauernd meldet. Marcus Pretzell saß anfangs neben mir, ein unrasierter Rechtsanwalt und Immobilienmakler – eine schöne Kombination. Trotzdem war er mir noch etwas sympathischer als die FPÖ-Kollegen zu meiner Linken.
Welche deutsche Partei agitiert im Europaparlament populistischer – die AfD oder die CSU?
Ich glaube nicht, dass in Bezug auf Populismus jemand in diesem Land der CSU das Wasser reichen kann. Außer uns natürlich.