Honig im Topf

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Die deutschen Imker freuen sich über ein gutes Honig-Jahr 2015, auch die Zahl der Bienenvölker hat zugenommen, dank einer wieder wachsenden Zahl von Imkern. Denn ohne Imker keine Honigbienen. In freier Wildbahn kommen hierzulande nämlich gar keine Honigbienen vor. Das Bienensterben, das vor allem ein Imkersterben war, ist dank vieler neuer Stadt- und Hobbyimker erst einmal verschoben. Ein Rückschlag für Peta und Tierrechtler, die Imker als Sklavenhalter bezeichnen und bekämpfen und damit das Bienensterben aktiv betreiben.
Dabei sind Bienen doch so nützliche Tiere! Ganz anders als Ziegen etwa, die nur Ärger machen. Vorige Woche musste ein Transportflugzeug der Singapore Airlines notlanden, weil die 2 000 Ziegen an Bord einen Feueralarm auslösten. Während der erzwungenen Zwischenlandung auf Bali suchte man den gemeldeten Brand, fand jedoch nichts. Dafür lüftete man einmal gut durch und dann konnte es weitergehen. Die Ziegen hatten einfach zu viel gefurzt.
Statt Bienen- gibt’s jetzt Ameisensterben. Die Bestände von 92 Prozent der Arten in Deutschland nehmen derzeit ab. Das liegt an der Landwirtschaft, nicht daran, dass die Ameisen so faul sind. Ja, richtig gelesen. Die angeblich ach so fleißigen Tierchen tun nur so. In Wirklichkeit hängen die meisten in ihrem Ameisensozialstaat gemütlich in der Hängematte. Neue Forschungsergebnisse der Universität Arizona zeigen, dass 72 Prozent der sogenannten Arbeiter die Hälfte der Zeit gar nichts tun, also nur halbtags arbeiten. 25 Prozent tun sogar gar nichts. Ob sie unfreiwillig arbeitslos sind oder einfach Müßiggänger, weiß man nicht.
Jedenfalls werden die beschäftigungslosen Ameisen nicht zu sinnlosen Bewerbungstrainings geschickt. Es scheint auch so zu funktionieren. Die Forscher resümieren: »Unsere Arbeit betont die Bedeutung von Inaktivität als Verhaltenszustand.« Ein Satz, der durch die ersten beiden Wörter zwar etwas halbgar wirkt, aber ansonsten durchaus das, was wir schon ahnten, unterstreicht: Arbeit wird überschätzt. Dies scheint immer mehr anerkannt zu werden. Das Wirtschaftsmagazin Brand eins widmete sein August-Heft dem Lob der Faulheit. Wolf Lotter schrieb in seinem Essay: »Faul sein ist unsere Bestimmung, und wenn es einen Sinn des Lebens geben sollte, dann kommt das Faulsein an und für sich dem sehr nahe.« Außerdem zeigte das Magazin, wie produktiv fehlender Ehrgeiz sein kann. Ähnlich argumentiert Brigitte Witzer aus Frauensicht in ihrem Buch »Die Fleißlüge – Warum Frauen im Hamsterrad landen und Männer im Vorstand«. Bienenkönigin wird man ja auch nicht durch Arbeit, sondern durch gutes Essen. Durch Arbeit wird man: Arbeiter.

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