Die Welt ist nicht genug

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Yasiin Bey bleibt wohl nur noch wenig Zeit in Südafrika. Am 15. Januar wollte der Rapper, der bis 2012 unter dem Namen Mos Def bekannt war, zu einem Musikfestival nach Äthiopien fliegen. Die Reise endete bereits am Flughafen in Kapstadt, wo er versuchte, das Land mit einem sogenannten Weltbürgerpass zu verlassen. Ausstellerin solcher Pässe ist die World Service Authority (WSA), eine Organisation der Weltbürgerbewegung, die Nationalstaaten als die Wurzel von Kriegen und alle Menschen als Bürger der Erde betrachtet. Sie entstand 1948 nach einer UN-Vollversammlung, in der ihr Gründer Garry Davis zu einer Weltversammlung aufrief, die zur Wahl einer Weltregierung mit einer Weltverfassung führen sollte. Die Idee fand Zuspruch, prominente Weltbürger waren unter anderem Albert Einstein und Mahatma Gandhi. Doch nur von sechs Staaten liegen der WSA überwiegend jahrzehntealte Dokumente vor, in denen der Pass anerkannt wird und deren Rechtsgültigkeit fraglich ist. Auch die südafrikanischen Grenzbeamten überzeugte der Weltbürgerpass nicht. Sie stellten fest, dass Yasiin Beys Touristenvisum bereits 2014 abgelaufen war, und gaben ihm zwei Wochen Zeit, das Land zu verlassen. Seine Familie, die ebenfalls keinen gültigen Aufenthaltstitel vorweisen konnte, darf gleich mitkommen.
Bekannt wurde der Rapper Ende der neunziger Jahre unter anderem durch seine Zusammenarbeit mit HipHop-Größen wie Busta Rhymes und Diamond D. Später spielte er in Hollywood-Filmen mit, darunter »Monster’s Ball« und »Per Anhalter durch die Galaxis«. Zurück in die USA will der gebürtige US-Amerikaner aber nicht. Kurz nach dem Zwischenfall am Flughafen in Kapstadt verkündete Bey auf dem Anrufbeantworter von Kanye West, der ganze Kommerz störe ihn, er werde sich aus dem Showbusiness zurückziehen. Mehrfach hat er die Politik seines Herkunftslandes kritisiert. 2013 ließ er sich im Rahmen eines Projekts der Menschenrechtsgruppe Reprieve zwangsernähren, um auf die Behandlung der Häftlinge in Guantánamo aufmerksam zu machen, und brach es vorzeitig ab, weil er es »nicht ertragen konnte«. 2014 hatte er eine US-Tournee wegen »Rechts- und Immigrationsproblemen« abgesagt. Sein Weltbürgerpass wird ihm nun wohl nicht weiterhelfen, auch wenn unachtsame Grenzbeamte einen solchen Pass in Südafrika mindestens zwölf Mal, in den USA mindestens 20 Mal abgestempelt haben.