Notizen aus Neuschwabenland, Teil 16

Straight outta Kyffhäuser

Diese Kolumne berichtet über das Milieu der »Neuen Rechten«. Notizen aus Neuschwabenland, Teil 16: Sympathisanten und Antipathien.

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Der AfD stehen harte Zeiten ins Haus. Ihren Parteitag hat sie ohne größere innere Brüche über die Bühne gebracht und inzwischen ihr Parteiprogramm veröffentlicht. Kürzlich fuhr der »liberale« Bundessprecher Jörg Meuthen eigens ins Kyffhäusergebirge, wo die »Patriotische Plattform« der Partei mal wieder auf die Rückkehr des Stauferkaisers Barbarossa wartete. Zuvor hatte sich in Berlin ein halbwegs junger Mann mit Migrationshintergrund zu der Partei bekannt, der den meisten Mitgliedern ein fleischgewordener Albtraum sein dürfte: der Großmaulrapper Bushido. Damit stellte der Möchtegern-Gangsta aber nicht nur erneut seinen autoritären Charakter unter Beweis, sondern hielt seinen politischen Gesinnungsgenossen den Spiegel vor. Denn wen fürchten sie ab sofort in ihren schlimmsten Träumen? Sich selbst.
In passender Gesellschaft findet sich auch Michael Klonovsky wieder. Nach seinem Wechsel vom Focus ins neue Amt des Beraters der AfD-Bundessprecherin Frauke Petry publizierte er einen Beitrag in der Jungen Freiheit (JF). Darin nahm er die rassistische Aussage des AfD-Politikers Alexander Gauland zum Fußballer Jérôme Boateng in Schutz. In seinem Text bedient sich Klonovsky eines bemerkenswerten Vokabulars: Nichts sei an der Ablehnung von »Menschen anderer Rasse und Artung« in der Nachbarschaft rassistisch. Gleich, ob »derjenige nun schwarz ist oder weiß oder orientalisch oder ein Fellache mit ungeklärter Abkunft«. Jeder könne sich aussuchen, »neben wem er siedeln will«. Dieser schöngeistige Drang zur Provokation, des einen Lust an der Nazidiktion, wo der andere zwanghaft »Hurensohn« stammeln muss, zeigt: Klonovsky ist ein Bushido mit besserem Weinkeller und den most explicit lyrics.
Es dissen sich andere: »Rubikon«, das neue Buch des JF-Chefstrategen Karlheinz Weißmann, hat die Animositäten zwischen der JF und der Zeitschrift Sezession wieder angefacht. In ihm kritisiert Weißmann den »revolutionssüchtigen« Aktionismus, der Götz Kubitschek, den Chefredakteur der Sezession, zu Pegida treibe. Das Konzept des »Volksaufstands« liegt Weißmann nicht. Er rät zur Ruhe, will den »Tag des Bauens« abwarten, um Staat und Gesellschaft nachhaltig umzuformen. Kubitschek, von Weißmanns konservativem Habitus sichtlich verärgert, lobte das Buch zur Rezension durch die Leser aus. Allerdings gibt er eine wenig freundliche Lektüreanleitung vor, ein echter bitchmove, würde Bushido sagen. Wahrscheinlich hat Kubitschek die jüngste Ankündigung seines vormaligen Meisters in der JF alarmiert, eine neue Zeitschrift für die »konservative Intelligenz« zu planen.
Felix Menzel, beider Zögling, gab daraufhin in seiner Zeitschrift Blaue Narzisse (BN) den Schlichter. Sein Vorschlag zur Güte ist eine Arbeitsteilung zwischen »Barrikadenkämpfern« und denen, die »darauf hinarbeiten, am Tag X ein Ministerium verantwortungsvoll führen zu können«. Eine interessante Idee. Wer wissen möchte, wie so ein Deal ausgehen kann, sollte unter »Röhm-Krise 1934« nachschlagen.
Um den Eindruck zu vermeiden, die BN sei eine moderate Publikation, empfiehlt sich allerdings, deren Debatte um die Todesstrafe nachzulesen. Georg Immanuel Nagel forderte in dem Blatt kürzlich: »Wir brauchen die Todesstrafe.« Ihre Abschaffung sei ein Symptom der »dekadenten weichgespülten Gesellschaft«. Nagel argumentiert derart brachial, dass dagegen selbst die schwache Gegenrede von Johannes Konstantin Poensgen noch differenziert wirkt. Dieser thematisiert zunächst das eigene Unbehagen an seiner Ablehnung der Todesstrafe. Als Hinrichtungsgegner befinde man sich schließlich in Gesellschaft eines »Typs linker Gesinnungsapostel, der ein weiches Herz für das Abartige und Verbrecherische hat und diese Gemütslage durch Gleichgültigkeit, wenn nicht Hass gegenüber Normalität und Anstand ausgleicht«. Dennoch vermag er, über seinen Schatten zu springen und befindet, dass die Todesstrafe »zumindest in Friedenszeiten« unkultiviert sei.
Wenn Bushido ein paar neue Homies sucht, Gauland, Klonovsky und Nagel stehen bereit. Ein Video können sie dann am Kyffhäuser drehen. Arbeitstitel: »Barbarossa! Komm heraus, du Hurensohn!«