Das darf der nicht hören

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Queen. Die Rolling Stones haben es ­getan, Neil Young, R.E.M. und Adele ebenso. Und nun auch noch Queen: Sie haben Donald Trump verbieten lassen, ihre Musik zu benutzen. Nachdem »We Are the Champions« bei einem Fernsehauftritt des US-Präsidentschaftskandidaten gespielt worden war, habe Brian May, der Gitarrist der Band, eine »Lawine von Beschwerden« erreicht. »Wir haben uns immer dagegen gewehrt, die Musik von Queen als Wahlkampf­instrument einzusetzen«, schreibt May auf seiner Website, er wolle nun Schritte einleiten, um sicherzustellen, dass Trump das Lied nicht mehr spielt. Die Geste ist so verkehrt nicht, auch die Entrüstung ist durchaus nachvollziehbar. Aber denkt Brian May wirklich, eine Hymne wie »We Are the Champions« werde ausschließlich auf coolen Queer-Partys von emanzipatorischen Menschenfreunden gespielt? Eine wenn auch doppelbödige Würdigung von Überlegenheitsgefühlen, eine musikalische Durchhalteparole wie diese? Das Gegenteil ist der Fall. Nichts ­gegen Queen, aber ein Großteil der Champions, die sich mit diesem Lied feiern, dürfte nicht alle Latten am Zaun haben. oko

Immer die gleiche Schallplatte
Jonathan Meese. »Ich hätte dafür gesorgt, dass sich Bayreuth ausdehnt. Vielleicht so groß wie Deutschland, wie Europa, vielleicht so groß wie die Welt.« Und: »Jetzt wird es wieder zu so einem Poppelhannes-Haus. So einem kleinen, blöden CSU-Schauspielhaus.« Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung zeigt sich Jonathan Meese wieder als bekannte Marke. Vor anderthalb Jahren war er – eigentlich beauftragt, 2016 den »Parsifal« auf dem Grünen Hügel zu inszenieren – von der Festivalleitung rausgeschmissen worden. Weil sein Konzept zu teuer sei, hieß es. Meese wurde mehrfach verklagt, weil er im Rahmen seiner Performances die Hand zum Hitlergruß gehoben hat. Alles für die Kunst, versteht sich, und somit auch alles Teil seiner Kampagne. »Was gerade in Bayreuth passiert, dass da alles durchdemokratisiert und zum Unterhaltungsprogramm zurechtgestutzt werden soll, das hat mit der Allmacht der Kunst nichts zu tun.« Überhaupt: »Die Kunst wird die Politik ersetzen«, sagt er den Journalisten der Süddeutschen Zeitung – und die tun ­etwas sehr Schönes und berichten von einem anderen Meese, der verlegen von einem Fuß auf den anderen Tritt und sich – off the record – für sein Berserkertum entschuldigt: »Ich muss aufdringlich sein. Der Freiraum der Kunst muss größer werden.« oko

Die Mär vom Gegengift
Mein Kampf. Das wird man doch wohl noch beilegen dürfen! Die Mailänder Tageszeitung Il Giornale, ein konservatives Blatt, das Silvio Berlusconis Bruder gehört, hielt am Samstag eine besondere Überraschung parat. Wer seine Ausgabe am Kiosk abholte, bekam Adolf Hitlers »Mein Kampf« gleich mit. Genauer: den zweiten Band der 1937 veröffentlichten Ausgabe des Werks, ergänzt um Kommentare des Historikers Francesco Perfetti. »›Mein Kampf‹ zu lesen ist das richtige Gegengift gegen die Giftstoffe des Nationalsozialismus«, argumentiert die Zeitung nicht sonderlich überzeugend und will in den kommenden Wochen sieben weitere Bücher zur Geschichte des Dritten Reichs beilegen. Der italienische Ministerpräsident Matteo Renzi befand, es sei »abscheulich«, dass eine italienische Zeitung heutzutage dieses Buch verbreite; Renzo Gattegna, der Präsident der Union jüdischer Gemeinden Italiens, nannte die kalkulierte Provokation »unanständig« und »erschreckend«. Der Urheberschutz ist Ende 2015 ausgelaufen, seitdem lässt sich gegen die Vervielfältigung von »Mein Kampf« juristisch nichts vorbringen. oko