Porträt: Akie Abe

Früh übt sich

Die japanische First Lady Akie Abe

Porträt Von Nicole Tomasek
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Statt in den Streichelzoo geht der Kindergartenausflug an den Hafen, um Kriegsschiffe zu begrüßen, statt lustiger Kinderlieder wird jeden Tag die japanische Nationalhymne gesungen und statt Klatschreimen das kaiserliche Erziehungsedikt von 1890 auswendig gelernt, das die US-Besatzungsbehörden nach dem Zweiten Weltkrieg verboten, da es den Militarismus vor dem Krieg angeheizt habe. Das private Unternehmen Moritomo Gakuen betreibt in Osaka einen Kindergarten, der für seine ultranationalistische Erziehung berüchtigt ist. Eltern ehemaliger Kindergartenkinder hatten sich über rassistische Äußerungen des Personals gegenüber Chinesen und Koreanern und Grenzverletzungen gegenüber den Kindern beschwert. Der patriotische Erziehungsstil scheint jedoch im Sinne der japanischen Regierung zu sein, schließlich sollte im April in Osaka auch eine Grundschule des Trägers errichtet werden. Für das in öffentlichem Besitz befindliche Grundstück soll dieser nur 134 Millionen Yen (1,1 Millionen Euro) statt des Marktwerts von 956 Millionen Yen gezahlt haben. Dafür wird die japanische Regierung kritisiert. Offenbar hatte Yasunori Kagoike, der Leiter des Kindergartens, seine patriotischen Verbindungen zu seinem Vorteil genutzt. Er ist ein führendes Mitglied des ultranationalistischen Netzwerks Nippon Kaigi, dem nicht nur Japans Ministerpräsident Shinzo Abe, sondern auch viele weitere Kabinettsmitglieder und Abgeordnete nahestehen. Am Donnerstag soll Kagoike im Parlament zu dem Fall befragt werden.
Neben Abe, dem Finanzminister, dessen Behörde öffentliche Grundstücksverkäufe verantwortet, und der Verteidigungsministerin, die über ihre einstige Anwaltstätigkeit für Moritomo Gakuen falsche Angaben gemacht hatte, wird vor allem Akie Abe, die Ehefrau des Ministerpräsidenten, belastet. Sie ist dafür bekannt, in vielen Dingen anderer politischer Meinung als ihr Mann zu sein, bezeichnete sich gar als »häusliche Opposition« und gilt als Kritikerin der Atomkraft und Verfechterin von Frauen- und LGBT-Rechten. Dennoch sollte sie Ehrendirektorin der geplanten Grundschule werden. Zudem soll sie deren Träger 2015 eine Million Yen gespendet haben, was ein Regierungssprecher nun abstreitet. Offenbar wurde sie selbst ausreichend patriotisch indoktriniert.