Leo Fischer klingt diese Woche wie Sergej W.

Der Aktiengewinn wird geteilt

Gastbeitrag Von Leo Fischer
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Sehr geehrte Damen und Herren,

auf Anraten meiner Anwälte, meiner Familie und meiner Bild-Zeitung möchte ich hiermit ein umfassendes persönliches Geständnis ablegen. Um es kurz zu machen und alle Zweifel beiseite zu räumen: Ich habe es ausschließlich aus Habgier getan! Niedere politische Motive waren bei mir niemals im Spiel.

Diese Aussage fällt mir immer noch schwer, denn viele Menschen hätten sich bestimmt gefreut, hätte ich zum Beispiel im Namen des »Islamischen Staats«, der weißen Rasse, der AfD oder der sozialistischen Weltrepublik gehandelt. Mit so jemandem weiß man medial umzugehen. Aber jemand, der einfach nur seine ureigenen kapitalistischen Interessen verfolgt? Und dabei Verbrechen begeht? Da weiß man ja selbst im Wirtschaftsteil der Süddeutschen oft nicht, wie man mit solchen Leuten fertig wird!
Nein, ich wollte von Anfang an Knete, Zaster, Kies, Schotter und Dublonen; ich wollte mindestens ein Hunderstel dessen, was ein einzelner der von mir bedrohten Sportler so verdient. Ich weiß selbst, dass dieses Bedürfnis den meisten Menschen fremd ist. Viele von uns könnten sich vorstellen, einen Bus mit Sportlern aus edleren Motiven in die Luft zu sprengen als schnöder Bereicherung. Und seien wir ehrlich: Wäre statt des BVB ein anderes börsennotiertes Unternehmen auf diese Weise angegriffen worden, hätten manche nicht nur leise gejubelt. Ich kann mir nicht einmal die Absicht zugutehalten, das Geld dann World Vision oder einer anderen Terrororganisation zu spenden. Ich wollte einfach möglichst viel Geld, ohne dafür arbeiten zu müssen. Ja, ich weiß: Ich bin krank. Den Geschädigten meines Anschlags möchte ich hiermit mein Beileid aussprechen. Außerdem möchte ich sie entschädigungshalber an meinen Aktiengewinnen beteiligen. Eventuell ist sogar ein Geheimtipp für einen der nächsten Anschläge drin!

Es grüßt immer noch sehr zerknirscht

Ihr Sergej W.