Horst Mahler will in Ungarn ­politisches Asyl

Falsch abgebogen

Porträt Von Nicole Tomasek
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Da hatte er sich vorab wohl nicht umfassend über die Gepflogenheiten im Land informiert. Klar, Holocaustleugnern, Antisemiten und Neonazis gegenüber sind dort viele aufgeschlossen. Aber die Aufgeschlossenheit hat ihre Grenzen, verstärkt mit Stacheldraht, und Asylsuchende haben in dem Land in den Augen der Mehrheit eben nichts zu suchen. Der ehemals linke Anwalt und mittlerweile Rechtsextreme hat es dennoch versucht: Horst Mahler will in Ungarn Asyl beantragen. Mitte April war der wegen Volksverhetzung zu mehreren Jahren Haft verurteilte 81jährige nach einer krankheitsbedingten Haftunterbrechung nicht wie vorgesehen in die Justizvollzugsanstalt in Brandenburg an der Havel zurückgekehrt. Stattdessen tauchte er unter. Vielleicht wollte er nochmal den Kick aus früheren klandestinen Zeiten spüren, als er mit seinen RAF-Kumpels zur Terrorausbildung durch die jordanische Wüste robbte, waren seine letzten Jahre doch vor allem von Selbstinszenierungen in öden Gerichtssälen, Warten in langweiligen Gefängniszellen und Krankheit geprägt.

Lange hielt er es im Untergrund aber nicht aus. Wie die Taz am Montag berich­tete, wurde Mahler in Ungarn festgenommen. In einer am 19. April veröffentlichten Videobotschaft hatte er noch angekündigt, er wolle »in einem aufnahmebereiten, souveränen Staat um Asyl bitten«. Wie er dabei auf Ungarn kam, das bleibt sein Geheimnis. Auch die Schmeicheleien unter rechten Kameraden werden ihm vermutlich nichts nützen. In einer Erklärung behauptete Mahler, er habe am 12. Mai den »Führer der Ungarischen Nation«, Viktor Orbán, um politisches Asyl gebeten, und appellierte an den »Freiheitssinn des Volkes der Ungarn«, dessen Regierung sich seines Schicksals annehmen solle. Nun steht es dem völkischen Sinn in Ungarn, trotz sicherlich vorhandener Sympathien für Mahler, aber danach, frei von Asylsuchenden zu sein. Vor allem ist es jedoch die Rücksicht auf die internationalen Beziehungen, die ein Asyl für Maler praktisch ausschließt. Die Justizvollzugs­anstalt in Brandenburg wäre für ihn auch sicher ein angenehmeres Plätzchen als eine ungarische »Transitzone« für Asylsuchende.