In München sollte man sich wie ein Tourist verhalten

Touristen machen Geräusche

Das Medium Von Elke Wittich
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So ein bisschen wirkt München, als seien die achtziger Jahre dort nie zu Ende gegangen – man sieht hin und wieder sogar Leute, die ihre sehr, sehr alten Fiorucci-T-Shirts stolz und selbstbewusst durch die Einkaufsstraßen der Stadt spazieren führen. Außerdem ist München furchtbar verfressen, was auch wieder gut zu den achtziger Jahren passt, in denen man gern passend zum Lifestyle oder gar Zeitgeist aß, diverse Lebensmittel neu entdeckte und mit schickeren, gern italienischen Namen versah. Wie auch immer, es wird sehr viel gegessen von diesem München, oder vielleicht auch nur in diesem München, denn es kann natürlich auch sein, dass die ganzen Wurst- und Leckereien-Buden nur von Touristen zur Verpflegung benutzt werden. Aber sehr wahrscheinlich ist das nicht.

Apropos Touristen: Sich in München nicht zu benehmen wie ein Tourist, ist nicht sehr gescheit, denn dann entgeht einem ein ausgewiesener Höhepunkt: das Glockenspiel am Rathaus. Schon eine Viertelstunde vor dem großen Spektakel versammeln sich Hunderte Besucher aus allen Teilen der Welt und halten ihre Handys hoch, um den Anfang auf keinen Fall zu verpassen. Und dann geht es los: Zu unfassbar schiefen Glockenspielklängen bewegen sich einige Figuren und zwei Turnierreiter im Kreis herum und es nimmt und nimmt und nimmt kein Ende. Schließlich, nach wirklich sehr langen Minuten, schubst ein Reiter den anderen mit seiner Lanze vom Pferd und alle Touristen machen Geräusche, wie man sie macht, wenn in einem Horrorfilm jemand entgegen allen Warnungen doch in den Keller gegangen ist und dort angefallen wird. Wenn die Touristen fertig sind mit ihren Geräuschen, dann lachen sie über sich selbst, weil das Ganze ja eigentlich nicht so wirklich spannend war. Und das ist sehr schön mitzuerleben.