In Bochum inszenieren sich Identitäre als Opfer von Antifaschisten

Bochum ist anders

Raucherecke Von Stefan Laurin
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Bochum ist eine Stadt zwischen Essen und Dortmund, hat 360 000 Einwohner, mehrere Hochschulen mit insgesamt 60 000 Studenten und mit dem sogenannten Bermudadreieck ­eines der größten Kneipenviertel Deutschlands. Hier gibt es auf wenigen Quadratkilometern über 80 Möglichkeiten, sich – teils rund um die Uhr – zu betrinken. Am vorvergangenen Wochenende meinten einige Anhänger der rechtsextremen »Identitären Bewegung«, genau in diesem Viertel Spaß haben zu müssen. Das war eine dumme Idee, denn auch wenn Bochum eine friedliche Stadt ist, sind Rechtsextreme hier äußerst unbeliebt. Die Jungfaschisten flogen zunächst aus einem sympathischen Club namens »Trompete« später wurde einer von ihnen am nahegelegenen Hauptbahnhof verhauen. Von wem, das weiß die Polizei bislang nicht.
Aber weil der 24jährige Identitäre, der auch Mitglied der AfD-Jugendorganisation »Junge Alternative« sein soll, von seinen Gesinnungsgenossen in den sozialen Medien zum Opfer »der Antifa« stilisiert wurde, hat der Staatsschutz die Ermittlungen übernommen. Die Täter, sagt die Polizei, könnten Linke gewesen sein. Aber vielleicht sei auch alles ganz anders gewesen. Als klar wurde, dass eine Doppelmitgliedschaft einen entsprechenden Unvereinbarkeitsbeschluss der AfD verletzen würde, ließ ein Sprecher der »Identitären Bewegung« verlauten, der Mann sei gar »kein richtiger Aktivist«. Nur eines ist klar: In Lebensgefahr war der Verhauene nie, auch wenn die Identitären verzweifelt versuchen, mit dieser Lüge mehr Aufmerksamkeit außerhalb des eigenen Milieus zu erheischen.

Dass Nazis und andere Rechtsextreme in Bochum keine Narrenfreiheit haben, ist nichts Neues. Hier läuft es indes anders als in der Nachbarstadt Dortmund, die unter einer großen Naziszene leidet. Der Organisator des mit 20 Teilnehmern ohnehin nur schwach besuchten Pegida-Ablegers »Daskut« (»Deutschland asylfreie Schulen, Kindergärten und Turnhallen«) sah von weiteren Kundgebungen ab, nachdem es einen Angriff auf seine Werkstatt gegeben hatte. Kandidaten rechtextremer Parteien erhalten schon mal Besuch, der ihnen nahelegt, besser nicht zur Wahl anzutreten, und wenn die NPD auf ihrer Tour in Bochum anhält, demonstrieren nicht nur ein paar Autonome, sondern auch Sozialdemokraten. Der ehemalige SPD-Bundesvorsitzende Franz Müntefering ist dann häufig dabei. Und wenn das einzige NPD-Ratsmitglied, Claus Cremer, im Ratssaal sitzt, schaut es auf den großen Monitor des betagten SPD-Genossen Friedhelm Lueg, auf dem nur zwei Worte stehen: Nazis raus.
Die Verhältnisse in Bochum sind also anders als in Dortmund und viele Bochumer sind der Meinung, das solle sich auch so bald nicht ändern.