Gefangene aus Italien

In der Festung

Der italienische Filmemacher Gabriele Del Grande wurde im Frühjahr nach diplomatischen Verhandlungen entlassen.

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GDGDas Gerücht, Italien habe im Frühjahr für die Freilassung des verhafteten Journalisten Gabriele Del Grande Lösegeld bezahlt, wies Außenminister Angelino Alfano als »verrückt« zurück – schließlich habe es sich um eine Festnahme, nicht um eine Entführung gehandelt. Seine Auskünfte über die Verhandlungen mit seinem türkischen Amtskollegen, Mevlüt Çavuşoğlu, beschränkten sich jedoch stets auf die vage Andeutung, die italienische Delegation habe auch in schwierigen Phasen das Verbindende zwischen beiden Ländern betont.

Der 35jährige Del Grande war Anfang April im türkischen Grenzgebiet zur syrischen Provinz Idlib von Ordnungskräften in Zivil festgenommen und zunächst in Hatay, später in Muğla in einem Identifikations- und Abschiebegefängnis festgehalten worden. Nachdem ihm über zehn Tage jede konsularische Betreuung und jeder rechtliche Beistand verwehrt worden war, trat Del Grande in der Isolation in Hungerstreik. Daraufhin kam es nicht nur in Italien zu Solidaritätsdemonstrationen. Auf Twitter wurde der Hashtag »io sto con Gabriele« (ich stehe an der Seite von Gabriele) lanciert, eine Anspielung auf den 2014 von Del Grande zusammen mit zwei Kollegen realisierten Dokumentarfilm »An der Seite der Braut«, in dem eine kleine Gruppe syrischer und palästinensischer Geflüchteter sich als Hochzeitsgesellschaft ausgibt, um nach Stockholm zu gelangen. Del Grande dokumentiert auf seinem Blog »Fortress Europe« seit vielen Jahren das Massensterben im Mittelmeer, im Frühjahr war er für Recherchearbeiten zu einem Buch über die Situation syrischer Geflüchteter in die Türkei gereist. Befürchtungen, die türkischen Behörden könnten ihn aufgrund von Interviews mit Kurden der Unterstützung einer »terroristischer Vereinigung« beschuldigen, blieben jedoch unbegründet. Nach 14 Tagen wurde die Haft aufgehoben und Del Grande nach Italien ausgewiesen.

Auf einer Pressekonferenz nach seiner Rückkehr gab er an, bis zuletzt nicht über die Gründe seiner Festnahme informiert worden zu sein. Sein Appell, die vielen anderen in der Türkei inhaftierten Journalisten nicht zu vergessen, verhallte jedoch fast ungehört. In den darauffolgenden Monaten wurde deutlich, warum die italienische Regierung eine offene Kritik an der menschenrechtswidrigen Behandlung Del Grandes vermieden hatte. Sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene war Italien bemüht, die Türkei als verlässlichen Partner der EU-Flüchtlingspolitik darzustellen. Ungeachtet der jeweiligen Verhältnisse im Land ging es Italien und der EU darum, Fluchtrouten nach Europa zu blockieren. Entsprechend forderte der Präsident des Europaparlaments, Antonio Tajani, im Sommer, mit Libyen denselben milliardenschweren Deal abzuschließen wie zuvor mit der Türkei.