Gefangene aus Großbritannien

Einsame Haft

Britische Staatsbürger in türkischen Gefängnissen müssen ohne große Unterstützung der britischen Regierung auskommen.

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»Er befindet sich in keiner guten Lage, emotional«, sagt Kaya Sertkaya, der Anwalt von Joe Robinson, einem 24jährigen Briten und ehemaligen Soldaten, der in der Türkei in Haft sitzt und dem Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen wird.

Robinson, seine Verlobte, die rumänische Staatsbürgerin Mira Rojkan, und deren Mutter wurden am 22. Juli in Didim im Südwesten der Türkei festgenommen. Sie kamen gerade vom Schwimmen zurück, als bewaffnete Polizisten in ihrem Hotel eine Razzia durchführten. Die Polizei beschlagnahmte Mobiltelefone, Laptops und Kameras und brachte die drei zur nächsten Wache. Die beiden Frauen wurden auf Kaution freigelassen, ihnen ist der Kontakt zu Robinson allerdings untersagt. Rojkan wird vorgeworfen, auf Facebook prokurdische Propaganda verbreitet zu haben. »Er hat nichts falsch gemacht. Er hat weder hier noch in Syrien eine Straftat begangen«, so Robinsons Mutter.

Der Fall ist allerdings etwas komplexer. Robinson könnte zu 16 Jahren Haft verurteilt werden, da er 2015 vier Wochen lang bei der den syrisch-kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) medizinische Hilfe geleistet hat. Die Türkei stuft die YPG als terroristische Vereinigung ein, die der kurdischen PKK nahe stehen soll.

Das Büro von Premierministerin Theresa May gab bisher keine Kommentare zum Fall Robinson, das Außenministerium bestätigte aber, dass die britische Botschaft mit dem Fall vertraut sei und mit den türkischen Behörden in Kontakt stehe. Die Familie werde unterstützt.
Robinsons Eltern haben May einen Brief geschrieben, in dem sie sie zum Handeln auffordern. »Wenn Großbritannien britische Werte vermitteln will, muss es wie Großbritannien handeln.« Die Eltern finden, dass die britische Regierung ihrem Sohn, einem Veteranen und »Nationalhelden«, Unterstützung schuldet. 2 700 Personen haben bereits eine Online-Petition für Robinsons Freilassung unterschrieben.

Robinsons Mutter zufolge hat ihr Sohn bisher keinen Besuch von britischen Behörden erhalten. Dies liegt möglicherweise am türkischen Rechtsverständnis. Wenn Ausländer in der Türkei unter Terrorismusverdacht inhaftiert sind, müssen Botschaftsvertreter Zugang erst beantragen. Die Bearbeitung kann sich hinziehen.

2017 wurden zwei weitere britische Staatsbürger in der Türkei festgenommen, Tony Robyns und Stefan Aristidou. Nach Angaben des Außenministeriums steht die britische Regierung in beiden Fällen in Kontakt mit türkischen Behörden. Aristidou hatte sich dem »Islamischen Staat« angeschlossen, er hat sich freiwillig den türkischen Behörden gestellt. Der 52jährige Tony Robyns aus West Sussex hatte diesen Sommer mit seiner Familie in Bodrum Urlaub gemacht. Beim Tauchen stieß er auf wohl antike Münzen, die er als Souvenir mit nach Hause nehmen wollte. Bei der Ausreise wurde er am Flughafen festgenommen, da er seinen Fund nicht den Behörden gemeldet hatte. Was die britische Regierung konkret unternimmt, um ihren inhaftierten Staatsbürgern in der Türkei zu helfen, ist unklar.