Eine Frauenfreie Zone in Europa

No Woman No Car

Bitte nicht füttern Von Ivo Bozic
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bnfSelbst in Saudi-Arabien dürfen Frauen nun Auto fahren. Mitten in Europa nicht. Dort gibt es eine Republik, in der Frauen nicht einmal als Beifahrerin im Auto sitzen dürfen. Nein, es ist nicht der Vatikan, viel größer! So groß etwa wie Malta. Frauen dürfen dort nicht nur nicht Auto fahren. Sie dürfen auch keine Bücher aus den zahlreichen Bibliotheken aus­leihen und nicht in der Nase popeln. Ja wirklich! Im Jahr 2017. In Europa. Kein Quatsch! Frauen dürfen nämlich rein gar nichts dort, nicht einmal atmen. Nicht einmal anwesend sein. Es ist eine komplett frauenfreie Zone. Nur Männer leben dort.

Einmal soll, geht die Legende, eine Frau den Boden der Halbinsel betreten haben. Und zwar nicht irgendeine, sondern die Frau: Maria, die Mutter von Jesus. Weitere Ausnahmen sind nicht vorgesehen. Ach doch: Katzen. Es gibt weibliche Katzen dort. Das finden Sie normal? Wieso sollten da nur Kater leben, fragen Sie? Weil bei allen anderen Haustieren nur männliche erlaubt sind. Bei Katzen drückt man ein Auge zu, da sonst Mäuse und Ratten überhand nehmen würden. Klar, bei den Nagern und bei Wildtieren überhaupt lässt es sich nicht vermeiden, dass sich weibliche Individuen einfinden.

Womit wir bei der Frage wären, ob eine Welt ohne Frauen und ohne weibliche Tiere, also so wie in der Mönchsrepublik Athos in der Ägäis, wünschenswert und, wenn ja, überhaupt realistisch wäre. In der Tierwelt sind rein weibliche Gemeinschaften bekannt. Männchen werden bei Bienenvölkern nur für den Sex gebraucht, bei dem sie sterben, die übrigen Drohnen schmeißt man aus dem Staat, lässt sie verhungern. Bei Marmorkrebsen gibt es sogar ausschließlich Weibchen. Reine Männergemeinschaften wie auf Athos sind biologisch nicht überlebensfähig. Und wären sie denn sinnvoll? Wo keine Frauen sind, können sie schließlich nicht unterdrückt werden.

Das finden Sie eine verrückte Argumentation? Durchaus, aber genau so argumentieren auch Veganer, wenn sie den Verzicht auf Milch, Rindfleisch und Honig fordern. Die Nutztiere, die nicht gequält werden sollen, gäbe es gar nicht erst. Und tatsächlich: Auf Athos gibt es keine Diskriminierung von Frauen. Anders als in Saudi-Arabien, wo es Frauen gibt. Der Gedanke ist natürlich schon deshalb absurd, weil Emanzipation sicher nicht das Motiv der Mönche auf Athos ist. In der autonomen, völkerrechtlich zu Griechenland gehörenden Republik gelten nicht einmal die elementarsten Menschenrechte, besteht keine Presse- und Religionsfreiheit. Von der EU wird diese schlechte Mittelaltersimulation geduldet. Das Problem: Frauen in Saudi-Arabien haben für das Recht aufs Autofahren gekämpft, ihre Kampagne hieß »#woman2drive«, bereits 1990 fuhren sie einen ersten Protestkorso. Auf Athos wird es nie Protest von Frauen geben.