Pegida hat verloren

Die Kanaken übernehmen

Pegida würde gerne Geburtstag feiern, doch für die Bewegung gibt es keinen Grund zum Jubeln. Die Kanakisierung ist bereits zu weit fortgeschritten.

Kommentar Von Massimo Perinelli
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Seit numehr bald drei Jahren schreien sich die Teilnehmer der Pegida-Aufmärsche in schöner Regelmäßigkeit ihren Hass aus ihren Visagen, deshalb soll Geburtstag gefeiert werden. Alle Eltern wissen, was das bedeutet: terrible three. Es ist das Alter, in dem sich die süßen Kleinen in regelmäßigen Abständen vor der Supermarktkasse hinschmeißen, brüllend ihren Kopf auf den Boden schlagen und dabei das Unmögliche verlangen – nämlich die vor ihrer Nase aufgereihten Süßigkeiten –, die sich in die Tasche zu stopfen ihnen aus unerklärlichen Gründen verboten ist.

Die Kanakisierung der Gesellschaft ist zu weit fortgeschritten. Während im Tal der Ahnungslosen NSU, AfD, Pegida und andere von einem weißen Deutschland träumen, steht diesem Traum die Realität einer durch und durch migrantischen Gesellschaft entgegen.

So schreien auch die in Dresden Versammelten nach dem, was sie nicht haben dürfen, während alle anderen um sie herum scheinbar abkassieren. Dass der gesellschaftliche Reichtum gefälligst an sie verschenkt werden sollte, liegt im Politikverständnis der Pegida-Anhänger, denn dem nationalen Sozialismus zufolge steht ihnen der Reichtum dieses Landes einfach deshalb zu, weil sie Horst oder Gisela heißen.

Das Geschrei der Pegida ist auch deshalb vergeblich, weil die Beteiligten selbst das Konkurrenzprinzip, von dem sie sich bedroht fühlen, verschärfen wollen. Wer für die Aussortierung von entrechteten Menschen demonstriert, hat jedoch schlechte Aussichten, Solidarität angesichts einer eigenen Notlage einzufordern.

Dieses Paradoxon bringt den Wutbürger erst so richtig auf die Palme, er schreit nach Solidarität und Konkurrenz. Aber Solidarität kann es nur mit allen geben. Einwanderer haben es vorgemacht. Sie kämpfen für bessere Wohnungen, Arbeitsplätze, Bildung, echte politische Teilhabe.

Wenn aber das Prinzip der Konkurrenz gelten soll, ergibt es wenig Sinn, sich darüber zu beschweren, dass nun die Migrantinnen und Migranten die Arbeitsplätze, das Fernsehen und die Universitäten übernehmen. Sie können es halt offenbar besser, Pech für die Einheimischen.

Diese verflixte Zwickmühle im Denken führt geradewegs in jene Regression, die schon Siegfried Kracauer vor mehr als 70 Jahren für die Weimarer Republik beschrieben hat. In seiner narzisstischen Kränkung regrediert das Volk und sehnt sich nach einem starken Führer. Die kindliche Regression geht dem wahnhaften Vernichtungsdrang voraus.

Auf diese Phantasie setzt Pegida. Aber diese Leute haben verloren. Denn die Kanakisierung der Gesellschaft ist zu weit fortgeschritten. Während im Tal der Ahnungslosen NSU, AfD, Pegida und andere von einem weißen Deutschland träumen, steht diesem Traum die Realität einer durch und durch migrantischen Gesellschaft entgegen. Dabei geht es den Nationalistinnen und Nationalisten gar nicht um die Verteidigung einer Glück versprechenden »Heimat«. Denn auch die Pegida-Demonstranten leben längst transnational. Sie fahren zum Ficken nach Thailand und zum Zahnarzt nach Tschechien.

Sie stehen auf Ananas und Lahmacun und konsumieren fleißig global hergestellte und transnational vertriebene Produkte. Dass Zusammenhalt nur gemeinsam in einem postmigrantischen kommunitaristischen Sinne erkämpft werden kann, machen nicht nur die großen sanctuary cities in den USA, sondern auch die vielen Willkommensgemeinden im ländlichen Raum in Deutschland deutlich. Die nationale Abschottung, die Pegida fordert, basiert hingegen auf Angst und hat Gewalt zur Folge. Die Bewegung, die sich seit drei Jahren in Dresden versammelt, zeugt nicht von Zusammenhalt, sondern von sozialer Deprivation.