Homestory

Homestory #47

Ist Annette Marberth-Kubicki an allem schuld? Medienberichten zufolge weigerte sie sich mit der fadenscheinigen Ausrede, sie habe berufliche Verpflichtungen, ihrem Ehemann Wolfgang Kubicki frische Hemden nach Berlin zu bringen. Ein ohnehin schon schlecht gelaunter Kubicki war also am Wochenende noch schlechter gelaunt. Ist gute Laune nicht sowieso ein Merkmal spätrömischer Dekadenz? Kann man sich nicht leisten im unermüdlichen Konkurrenzkampf mit den Chinesen. Und den Grünen. Die ja um Kubickis Nöte wussten und ihm wenigstens ein frisches Hemd hätten anbieten können. Christian Lindner braucht seine Hemden ja selbst. Kein Wunder, dass nun die »Vertrauensbasis« fehlt.

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In der Redaktion sind Überraschungen dieser Art nicht beliebt, insbesondere wenn sie ungünstig terminiert sind und alle Welt rätselt, was das nun wieder soll. Man kann sich ja schwerlich mit der Erklärung zufrieden geben, dass den FDP-Politikern die Sondierungsgespräche einfach nur zu lange dauerten und sie endlich Feierabend machen wollten. Andererseits – würde eine Konferenz der Jungle World mehrere Tage dauern, könnte wohl niemand für den Redaktionsfrieden garantieren, zumal eine reguläre Hemdenversorgung kaum zu erwarten wäre. Bereits auf das Glockenläuten, mit dem Geschäftsführung oder CvD zu den vergleichsweise kurzen real stattfindenden Konferenzen rufen, reagieren die Redakteurinnen und Redakteure in Mimik und Gestik auf eine Weise, die in empfindsameren Milieus mindestens als Mikroaggression gewertet würde. Bei den »Jamaika«-Sondierungsgesprächen kam erschwerend hinzu, dass dort auch Leute wie Alexander Dobrindt anwesend waren, bei denen es schon als zen-buddhistische Geduldsprobe gelten kann, mit ihnen mehr als eine Stunde in einem Raum zu verbringen, ohne zu flüchten oder ihnen an die Gurgel zu gehen.

Man hätte sich vielleicht an unseren Maßnahmen zur Steigerung der Konferenzfreude orientieren sollen. Oft stehen nämlich Süßigkeiten auf dem Tisch. Das hebt die Laune und erleichtert die Verhandlungen. Ja, Frau Merkel, so einfach wär’s gewesen! Natürlich hätten Sie aufpassen müssen, dass sich Lindner oder Dobrindt nicht gleich alles nehmen. Aber was immer man gegen die Bonbonpädagogik einwenden mag – sie funktioniert. »Wenn es heute nicht klappt, geht ihr alle ohne Nachtisch ins Bett. Aber jeder bekommt noch fünf Gummibärchen, wenn wir uns über den Soli einigen. Und Sie, Herr Lindner, bekommen obendrauf alle gelben, wenn Sie ein wenig nachgeben. Aber geben Sie dem Kubicki ein paar ab, wenn er vom Duschen zurückgekommen ist.«