Der neue »Asterix« überzeugt nicht

Spann schon mal den Wagen an

Im neuen Abenteuer »Asterix in Italien« jagen die gallischen Freunde durchs Land der Römer. Bildgewaltig, jedoch nicht ganz so turbulent wie sonst.

Nun also Italien. Da mühte sich das kleine gallische Dorf in nunmehr 37 Bänden mit den nervigen Römern ab, ohne jemals wirklich Italien bereist zu haben. Es gab die Tour de France, Asterix war bei den Briten und den Schweizern, aber in Italien hat man außerhalb Roms selten einen Gallier angetroffen. Im neuen Band – es ist das dritte Abenteuer mit Jean-Yves Ferri als Autor und Didier Conrad als Zeichner – wird nun Italien besichtigt: während eines Wagenrennens. Lactus Bifidus hat die geniale Idee, als Chef des römischen Verkehrswesens mit einer Ralley vom miserablen Zustand des Straßennetzes abzulenken. Und da Cäsar den Plan großartig findet, beginnt die »Transcaliga« von Modicia nach Neapolis. Es trifft sich nur zu gut, dass Obelix dem Rat einer Handleserin folgt und sich einen Rennwagen zulegt, schnittig und passenderweise mit einer überdimensionierten Kühlerfigur im Stil des gallischen Hahns. Prompt sind die beiden gallischen Helden beim Rennen dabei und schon kurz danach mittendrin. Obelix nimmt sogar als Wagenlenker des stolzen Vierspänners teil – schließlich ist es seiner.

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An dieser Stelle wagen die beiden Autoren eine leichte Neuerung der Figur des Obelix. Während er in vielen Abenteuern nur neben Asterix hertrottelt und für sympathische, aber eben auch etwas dumpfe Kommentare sorgte, steigt er im neuen Band nun zum Rennwagenfahrer auf. »Die beiden Autoren entwickeln die Beziehung der beiden Protagonisten eher in Richtung einer Partnerschaft – als Team«, erzählt Klaus Jöken, der erneut die großartige Übersetzung des Bands ins Deutsche besorgt hat. Durch die Fangemeinde hallte ein kurzer Aufschrei, als der aufgewertete Obelix zum ersten Mal im Regal lag. Dass Idefix nur eine kleine Rolle spielt, kam gar nicht gut an. Doch diese Entscheidungen muss man den beiden Autoren einfach zugestehen. Auch ein Klassiker hat schließlich das Recht, sich weiterzuentwickeln. Und da die Seitenzahl für jeden Band nun einmal bei maximal 44 Seiten liegt, kann nicht jeder Charakter in jedem Abenteuer eine große Rolle beanspruchen. Im vorliegenden Band fehlt sogar das bekannte Eingangsbild des kleinen gallischen Dorfs, weil die Verleger lieber auf der gesamten Seite acht die Wegekarte der Ralley zeigen wollten.

Ein Wagenrennen, Manipulationen, ein Schurke und am Schluss siegt das Gute. Die Geschichte, die »Asterix in Italien« erzählt, birgt keine Überraschungen und ist etwas dünn. Gut ist, dass auf allzu angestrengte Verweise auf die Gegenwart verzichtet wurde, schlecht, dass viele Wimmelbilder wenig erzählen. Zeichnerisch ist alles gut gemacht. Didier Conrad hat in Interviews darauf hingewiesen, dass er manchmal vor lauter Pferdebeinen nicht mehr wusste, wo und wie er die anderen Bildinhalte unterbringen sollte. Aber genau diese häufigen Rennbilder lassen die Geschichte in den Hintergrund treten. In der Rolle des Bösewichts taucht Caligarius auf, der den römischen Rennboliden steuert und unter einer goldenen Maske versteckt bleibt. Die Maske erinnert an einen Smiley und an Sido. Bei der Namensgebung hat der Übersetzer eine gute Lösung gefunden. Im französischen Original heißt der Schuft Coronavirus. Aber Bezüge auf Krankheiten sind beim deutschen Publikum wohl nicht so beliebt. »Die Franzosen sind da härter«, sagt Jöken und erklärt seine Namenswahl: »Caligarius ist zum einen eine Reminiszenz an den Stummfilm Caligari, in dem zum ersten Mal ein Kinobösewicht auftritt, und zum anderen heißt es direkt übersetzt Schuhmacher.« Während Jöken für die reine Übersetzung des Bands etwa fünf Tage gebraucht hat, dauerte es danach zwei Wochen, passende Namen für die Figuren zu finden.

Die Reise durch ganz Italien ist selbstverständlich in typischer Asterix-Manier mit unzähligen Anspielungen gespickt. Da lächelt dem gallischen Heldenduo mal die Mona Lisa aus einem Bauernhaus zu, dann wieder verspeist Obelix in Parma einen ganzen Schinken, statt zu warten, bis eine der hauchdünnen Scheiben abgeschnitten wird. Und die einzelnen teilnehmenden Stämme und Völker streben auf die eine oder andere Art nach Abtrennung von Rom.

Die Reise durch ganz Italien ist selbstverständlich in typischer Asterix-Manier mit unzähligen Anspielungen gespickt. Da lächelt dem gallischen Heldenduo mal die Mona Lisa aus einem Bauernhaus zu, dann wieder verspeist Obelix in Parma einen ganzen Schinken, statt zu warten, bis eine der hauchdünnen Scheiben abgeschnitten wird. Und die einzelnen teilnehmenden Stämme und Völker streben auf die eine oder andere Art nach Abtrennung von Rom. Davon lebt die Asterix-Reihe von Beginn an, doch wirken all die netten Details in diesem Abenteuer irgendwie nur als kleine Farbtupfer in einer ansonsten farblosen Erzählung. Am Ende erweist sich Caligarius unter seiner Maske als eine Art abgehalfteter Alain Prost, der heimlich jeden Tag seine Pferde gegen neue austauscht. Richtige Ermittlungsarbeit müssen Asterix und Obelix aber nicht leisten, um ihn zu überführen. Obelix bleibt seiner Rolle an dieser Stelle immerhin treu, indem er den entscheidenden Hinweis komplett naiv übersieht.
Interessanter sind da schon die eingeschleusten Saboteure. Es ist klar, dass ein römischer Wagen gewinnen muss, und so setzen Cäsar und Bifidus alles daran, das Rennen zu manipulieren. Im französischen Original fahren zwei Wikingervölker bei dem Rennen mit: die Normannen und die Kimbern. Und die Kimbern sind es, die die Achsen ansägen. Ferri hat aus den »Cimbre« ein Wortspiel gemacht, nämlich indem die versklavten Rennfahrer nach der Überführung durch Asterix und Obelix eingestehen, nur timbre (Briefmarken) in der Sammlung des Bifidus zu sein. »Das Wortspiel ›cimbre-timbre‹ geht im Deutschen natürlich überhaupt nicht und so werden aus den Kimbern im Deutschen die Markomannen«, sagt Jöken, der lange überlegt hat, wie er das Wortspiel übetragen soll. Dieses germanische Volk siedelte sich im heutigen Schwaben und Bayern an – dem Zentrum der deutschen Autoindustrie. Und so passt es wieder, dass die Markomannen sich herausreden, Bifidus sammle Marken wie sie.

Ebenfalls gut recherchiert und in Szene gesetzt haben die Autoren den Sponsor des Wagenrennens: »Garum lupus«. Garum war eine beliebte Würzsauce im römischen Reich und ihre Hersteller so etwas wie frühe global player, ließen sie doch ihre Sauce unter anderem schon im heutigen Portugal produzieren und im ganzen römischen Reich ausliefern; der Hunde- beziehungsweise Wolfskopf (»lupus«) erinnert an das sechsbeinige, feuerspeiende Tierlogo des ehemaligen staatlichen italienischen Mineralölkonzerns Agip. Hier gelingt, wenngleich auch wenig verklausuliert, ein Seitenhieb auf Sponsoring und Kommerz im Sport. Die etwas zu dünne Geschichte rettet das nicht. Da könnte man fluchen, wie es im neuen Asterix-Band die auf dem Gebiet des heutigen Russlands lebenden Sarmaten tun: »Beim Marx!«


Jean-Yves Ferri/ Didier Conrad: Asterix in Italien. Aus dem Französischen von Klaus Jöken. Egmont-Ehapa-Verlag, Berlin 2017, 48 Seiten, 12 Euro