Bitte nicht füttern - Auch Tiere sind einsam

Das Einsame ist politisch

Kolumne Von

BnFEine einsame Insel gilt als Sehnsuchtsort schlechthin. Keine nervenden Verwandten und Steuerbeamten, sonnig, chillig und dazu ein Palmenstrand mit immer freien Liegen. So ungefähr sieht vermutlich dieses Idealbild aus. Welche drei Dinge würdest du mitnehmen auf eine einsame Insel? Eine Frage, die politische und philosophische Tiefe hat, denn sie fragt nach dem Wert materieller Güter – und was sie an sozialer Kälte auszugleichen vermögen oder eben nicht.

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Großbritannien habe jetzt ein »Ministerium gegen Einsamkeit«, hieß es neulich in vielen Medien. Das klingt fast so abgefahren wie das berühmte Elfenministerium in Island – das freilich ein Mythos ist. Bei Lichte betrachtet ist es auch kein Ministerium gegen Einsamkeit, das die Briten womöglich als Reaktion auf ihre Selbstisolation in Folge des geplanten EU-Austritts eingeführt haben, sondern es ist nur ein neuer Zuständigkeitsbereich der Staatssekretärin für Sport und Zi­viles. Denn Sport und Ziviles haben, nun ja, vermutlich irgendwie damit zu tun. Wer Woche für Woche seine Stunden an Geräten im Fitnessstudio verbringt, kann sich den Zusammenhang zumindest denken.

Auch in Deutschland wird Einsamkeit zum Politikum. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat »einen Verantwortlichen, der den Kampf gegen die Einsamkeit koordiniert« gefordert. Selbstverständlich ist das eine gute Sache. Einsamkeit mag zwar auch der Milliardär auf seiner Luxusyacht verspüren, wenn der Helikopter mit den heißen chicks witterungsbedingt nicht landen kann, doch statistisch ist der Zusammenhang von Armut und Einsamkeit evident.

Auch in der Tierwelt gibt es verschiedene Gründe für Einsamkeit. Das Eisbärenmännchen etwa streift allein übers karge Eis. Aber klar, wer über keinerlei soziale Kompetenzen verfügt und gern seinen eigenen Nachwuchs verspeist, ist natürlich auch nicht sehr beliebt. In Neuseeland, das schon als Land sehr einsam ist im weiten Ozean, und in dem sich nur 15 Menschen einen Quadratkilometer teilen, gibt es viele herzergreifende Einsamkeitsgeschichten. Kürzlich ist dort der »einsamste Vogel der Welt« verstorben. Um Tölpel zwecks Ansiedlung auf eine kleine Insel zu locken, hatten Naturschützer 80 Tölpelattrappen aus Beton aufgestellt. Tatsächlich fiel 2014 ein Seevogel darauf rein und freundete sich mit den Imitaten an. Einer Beton-Tölpelin baute er gar ein Nest, in dem er nun auch verstarb. Inzwischen hatte sich tatsächlich eine Tölpelkolonie auf der Insel angesiedelt, der Urtölpel konnte mit den Artgenossen jedoch nichts mehr anfangen und blieb seiner Beton-Partnerin treu bis in den Tod. Hier nun ließen sich viele Erkenntnisse zum Thema Einsamkeit ableiten, aber das wird Ihnen für das abendliche Kneipengespräch überlassen. Oder Sie klären es mit sich selbst. Ganz wie Sie wollen.