Was kümmert mich der Dax - Donald Trumps Handelskrieg

Men of Steel

Kolumne Von

DaxEs wäre eine Überraschung gewesen, wenn Donald Trump nicht wenigstens versucht hätte, einen Handelskrieg anzuzetteln. Robert Lighthizer, der Handelsrepräsentant der US-Regierung, versuchte zuvor als Anwalt Schutzzölle für die Stahlindustrie durchzusetzen. Peter Navarro, der Direktor des Nationalen Handelsrats, schrieb das Buch »Death by China: Confrontig the Dragon«. Dass der US-Präsident nun den vermutlich schon länger gehegten Plan in die Tat umsetzt, liegt sicher nicht daran, dass die Protektionisten in den Debatten mit den Anhängern des Freihandelsregimes im Kabinett durch bessere Argumente überzeugt hätten. Vielmehr glaubt Trump offenbar, das republikanische Establishment gut genug im Griff zu haben, um sich eine Maßnahme leisten zu können, deren Folgen die Bedingungen der Kapitalverwertung grundlegend ändern könnten.

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Es wäre auch eine Überraschung gewesen, wenn Trump für den Anfang etwas Weiches ausgesucht hätte, Textilien etwa, die die USA 2017 im Wert von 126 Milliarden US-Dollar und zu 39 Prozent aus China importierten. Stattdessen wählte er Stahl, für den US-Importeure im vergangenen Jahr 29 Milliarden Dollar ausgaben. Wichtigster Lieferant war mit einem Anteil von 16 Prozent Kanada, das aber auch die Hälfte des von den USA exportierten Stahls kaufte, während China kaum eine Rolle spielte. Hier geht es jedoch um den propagandistischen Auftakt zu einer Kampagne. Trumps Fans – aber nicht nur sie – wären nicht so emotionalisiert, wenn sie an Frauen vor Nähmaschinen dächten. Stahl hingegen steht, mag die Produktion auch weitgehend automatisiert sein, noch immer für den Mythos der Industrialisierung als heroisch-machistische Unternehmung: schweißgebadete Männer vor glühenden Hochöfen, Stahlträger in luftiger Höhe, schimmernde Wehr und dergleichen mehr. In der internationalen Debatte spricht man kaum über das Leichtgewicht Aluminium, dessen Import Trump ebenfalls mit ein Strafzoll belegt hat. Politiker anderer Länder stehen nun unter dem Druck von Rechts- und Linkspopulisten, die im Geiste Krupps und Stalins darauf drängen, keine Schwäche zu zeigen. Ohnehin sind Vergeltungsmaßnahmen unter dem Freihandelsregime, das de facto ein System der zwischenstaatlichen Handelsregulierung ist, fast selbstverständlich. Bleiben solche Reaktionen dennoch aus, wird Trump nachlegen. Er geht nach dem Prinzip der disruption, der Zerstörung traditioneller Geschäftsmodelle, vor – allerdings ohne einen kohärenten Plan für ein neues Geschäftsmodell zu haben. Vielmehr sollen offenbar Deregulierung, Steuersenkungen und nationale Abschottung genügen. Eine stahlharte Basis für einen Boom der US-Industrie ist das nicht.