In der neuen »Christlich-Muslimischen Friedensinitiative« tummeln sich Islamisten

Frieden schaffen mit Erdoğans Waffen

Die kürzlich gegründete »Christlich-Muslimische Friedensinitiative« möchte sich für »gewaltfreie Konfliktlösungen« einsetzen. Doch Mitgliedsorganisationen wie Pax Christi und Millî Görüş fielen in der Vergangenheit durch antisemitische Propaganda auf, Ditib verherrlicht zudem den türkischen Kriegseinsatz in Syrien.

Zuletzt sorgte die Friedensbewegung im Februar für Wirbel. Der Trägerkreis der Ökumenischen Friedensdekade hatte den Schauspieler und Kabarettisten Uwe Steimle zum Schirmherrn ernannt. Ein Zusammenschluss kirchennaher Organisationen wie Pro Asyl und Aktion Sühnezeichen Friedensdienste organisiert die bundesweit stattfindende, zehntägige Veranstaltungsreihe. Die katholische Organisation Pax Christi hatte Steimle als Schirmherrn vorgeschlagen. Ihr dürfte kaum entgangen sein, dass den Kabarettisten ganz bestimmte Kriege stören. So hatte Steimle im Mai 2015 in der Sendung »Mitternachtsspitzen« im WDR gefragt: »Wieso zetteln die Amerikaner und Israelis Kriege an und wir Deutsche dürfen den Scheiß bezahlen?« Andere an der Friedensdekade beteiligte Organisationen erhoben wegen dieser Aussage und Äußerungen, die eine Nähe zum Rechtspopulismus erkennen ließen, Einspruch gegen seine Wahl zum Schirmherrn; der Leitungskreis der Veranstaltung beendete die Zusammenarbeit mit Steimle nach einer Woche wieder.

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Endgültig zur Farce wird die Friedensinitiative durch die Beteiligung der Ditib. Der Verband tut sein Möglichstes, um auch bei den in Deutschland lebenden Türken den Kriegstaumel zu entfachen.

 

Der kleine Rückschlag dürfte Pax Christi nicht beeindrucken. Wenn es um neue Kooperationspartner geht, ist die Organisation äußerst umtriebig: Am 23. März veröffentlichte die Christlich-Muslimische Friedensinitiative (CMFI) ihre erste Pressemitteilung. »Gemeinsam treten wir dafür ein, dass alle Menschen ihre Religion in Freiheit und Würde ausüben können«, schreibt das Bündnis unter anderem. »Gemeinsam möchten wir unsere Haltung für Frieden und Gewaltüberwindung stärken und gewaltfreie Konfliktlösungen suchen und einüben.« Zu den Gründern der CMFI zählen neben Pax Christi Deutschland auch die Islamische Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG), die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (Ditib), der Verband der Islamischen Kulturzentren (VIKZ) und der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD).

Alle vier muslimischen Verbände vertreten einen konservativen Islam, zwei von ihnen fallen in besonderer Weise auf. Die Bewegung Millî Görüş (Nationale Sicht) strebt seit 1969 die Reislamisierung der türkischen Gesellschaft an. Zum ideologischen Kernbestand der Organisation gehört der Antisemitismus. So behauptete der 2011 verstorbene Gründer der Bewegung, Necmettin Erbakan, in seiner Schrift »Gerechte Wirtschaftsordnung« von 1991, die Juden beuteten mit der »kapitalistischen Zinswirtschaft« die gesamte Menschheit aus. Der deutsche Ableger, die IGMG, sagte sich zwar 2004 offiziell vom Gründer­vater los. Diese Distanzierung hält die IGMG und ihre Mitgliedsgemeinden jedoch nicht von der anhaltenden Verehrung Erbakans ab: Wiederholt postete der Dachverband auf Facebook glorifizierende Beiträge und Bilder des türkischen Politikers. Das Bündnis gegen Antisemitismus Kassel wies im vergangenen Jahr darauf hin, dass ein Foto Erbakans den Facebook-Auftritt der IGMG-Ortsgruppe zierte.

Endgültig zur Farce wird die Friedensinitiative jedoch durch die Beteiligung der Ditib. Der von der türkischen Regierung mitfinanzierte und ideologisch gesteuerte Verband tut seit Beginn der militärischen Offensive der Türkei in Syrien sein Möglichstes, um auch bei den in Deutschland lebenden Türken den nationalistischen Kriegstaumel zu entfachen. In vielen Ditib-Moscheen wurde für einen Sieg der türkischen Truppen in Afrin gebetet, zudem bot die Organisation eine Jugendreise zum »obersten Heerführer« Recep Tay­yip Erdoğan an (Jungle World 11/2018). Wie dieser es mit dem Staat der Juden hält, hat er erst im Dezember deutlich gemacht: »Das Schicksal Jerusalems kann nicht einem Land überlassen werden, das sich von Blut ernährt und seine Grenzen erweitert, indem es Kinder, Zivilisten und Frauen brutal ermordet.« Auch verschiedene Ditib-Gemeinden fielen wiederholt mit antisemitischen Äußerungen auf, worauf beispielsweise Leo Latasch, ein Vorstandsmitglied der Jüdischen Gemeinde Frankfurt, im September in der Jüdischen Allgemeinen hinwies. Dass sie sich dabei meist der türkischen Sprache bedienen, deutet auf den Versuch hin, den Antisemitismus vor der deutschsprachigen Öffentlichkeit zu verbergen.

Der VIKZ geriet 2008 wegen der Indoktrinierung von Jugendlichen in den von ihm betriebenen Schülerwohnheimen in die Schlagzeilen. Danach wurde es allerdings ruhig um den Verband. Auch fällt er im Gegensatz zu den anderen nicht durch besondere politische Betätigung auf.
Der ZMD ist zwar der bekannteste der vier an der Christlich-Muslimischen Friedensinitiative beteiligten islamischen Verbände, hat aber die geringste Mitgliederzahl. Wichtiges Gründungsmitglied des Zentralrats war die Islamische Gemeinschaft in Deutschland (IGD), die als wichtigste Organisation der Muslimbruderschaft hierzulande gilt.

Wer Pax Christi und den islamischen Organisationen in der CMFI als gemeinsamer Feind des heiligen Friedens gelten dürfte, liegt nahe. Der internationale Dachverband von Pax Christi unterstützt offen die antisemitische BDS-Bewegung, auch die deutsche Sektion hält sich mit der Propaganda gegen Israel nicht zurück. So begannen die deutschen Friedenskatholiken 2012 die Kampagne »Besatzung schmeckt bitter«. Diese sollte »Verbraucher darauf aufmerksam machen, dass Obst und Gemüse mit der Ursprungsangabe ›Israel‹ vielfach aus völkerrechtswidrigen Siedlungen stammt«. Kritiker fühlten sich an die Naziparole »Kauft nicht bei Juden« erinnert. Im vergangenen Jahr organisierte Pax Christi in diversen Städten im Ruhrgebiet eine Ausstellung mit dem Titel »Mauer Museum Bethlehem«. In dieser wurde der palästinensische Terror, der die Errichtung von Mauern und Zäunen zwischen Israel und den palästinensischen Gebieten erst notwendig gemacht hatte, konsequent verschwiegen. Das der Sicherheit israelischer Staatsbürger dienende Bauwerk wurde stattdessen als Werkzeug der Unterdrückung und Ausbeutung dargestellt.

Bislang hat die CMFI erst zwei Schriftstücke veröffentlicht: Eine Pressemitteilung zur Gründung und einen kurzen Text, in dem sie ihr Selbstverständnis darlegt. Man kann darauf wetten, wem die erste öffentliche Verurteilung als Feind des Friedens gelten wird.