Ein Forschungsinstitut in Frankfurt am Main lädt immer wieder israelfeindliche Referentinnen ein

BDS in der Horkheimer-Straße

Raucherecke Von

Im August vergangenen Jahres beschloss der AStA der Universität Frankfurt eine Resolution, die jegliche Zusammenarbeit mit der antisemitischen Kampagne »Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen« (BDS) verurteilte. BDS propagiert einen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Boykott Israels; das Land hat im Weltbild dieser Bewegung kein Existenzrecht als jüdisch-demokratischer Staat. Anscheinend hat die Resolution des AStA keinen großen ­Eindruck auf das »Cornelia-Goethe-Centrum für Frauenstudien und die Erforschung der Geschlechterverhältnisse« (CGC) an der Universität gemacht. So sieht das CGC noch immer kein Problem darin, Referentinnen einzuladen, deren Position zu Israel im besten Fall zweifelhaft und im schlimmsten Fall klar antizionistisch ist.

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Im Januar lud das Zentrum die Genderforscherin Lana Sirri ein, um im Rahmen der vom CGC und vom autonomen Schwulen­referat an der Goethe-Universität organisierten queeren Ringvor­lesung über das Verhältnis von Feminismus und Islam zu sprechen. Feministische Kritik an einer patriarchalen Religion übte die Referentin nicht, stattdessen betrieb sie Bauchgefühlfeminismus und eine mystische Verklärung des Islam. Sirri ist Autorin des Buchs »Einführung in islamische Feminismen«. Obwohl sie in Israel geboren wurde, dort studierte und feministische Projektarbeit betrieb, unterstützt sie mit BDS eine Bewegung, die Israel als Apartheidsstaat darstellt. Auf Kritik von Studierenden reagierte das CGC nicht.

Die Einladung Sirris war keineswegs ein Ausrutscher: Die Gastprofessur für »internationale Gender- und Diversity Studies« für das Sommersemester 2018 vergab das Zentrum an die Wissenschaftlerin Amina Mama, die ebenfalls aktive BDS-Unterstützerin ist. ­Außerdem sollte im Mai 2018 Islah Jad von der palästinensischen Birzeit-Universität über »Universal conventions on women’s rights meeting besieged feminism: the case of Palestine« sprechen. Eine kritische Auseinandersetzung mit der emanzipationsfeind­lichen Hamas-Regierung wäre dort nicht zu erwarten gewesen, stattdessen sollte der positive Einfluss der ersten Intifada auf die paläs­tinensische Frauenbewegung erläutert werden. Der Vortrag wurde jedoch aus »familiären Gründen« abgesagt. Möglicherweise hatte die Absage aber auch etwas mit der Kritik der Deutsch-Israelischen Hochschulgruppe (DIHG) in Frankfurt zu tun, die gemeinsam mit dem Verband Jüdischer Studierender Hessen in einem offenen Brief konstatierte, die Einladung Jads stelle »eine neue Qualität« dar. Die Dozentin aus Ramallah müsse »als Teil jener Kräfte gesehen werden, die den Hass« auf Israelis sowie Jüdinnen und Juden weiter anfachten.

In einer Stellungnahme schrieb das CGC, man teile die »Sorge der Verfasserinnen« über »die Zunahme von Antisemitismus in Deutschland und weltweit«. Die Erkenntnis, dass die Zusammenarbeit mit Personen wie Jad eine antisemitische Organisation zumindest indirekt unterstützt und dass das Veranstalten von israelfeindlichen Vorträgen mit Antisemitinnen nicht »Debatten­kultur« und »kritische Wissenschaft«, sondern judenfeindliche ­Positionen fördert, sucht man in der Stellungnahme indes vergeblich. Offenbar muss es an Antisemitismuskritik reichen, dass die Vorträge in der Max-Horkheimer-Straße stattfinden.