Das Medium - Der gemeine Besserverdienerdeutsche ist besorgt

Schlechte Verlierer

Kolumne Von

Kaum ist das Wetter mal schön, sitzt der gemeine Besserverdienerdeutsche nicht etwa am Strand oder in irgendeinem Biergarten, sondern zu Hause und macht sich Sorgen um sein Erspartes. Wegen Italien. Und wegen allem anderen halt.

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Das Schöne am gemeinen Besserverdienerdeutschen ist, dass er einerseits sehr gierig und andererseits sehr jammerlappig ist. Außerdem hat er die Sache mit dem Kapitalismus nur rudimentär verstanden, was immer großen Unterhaltungswert hat, vor allem dann, wenn bei Geldanlagen zu irrsinnig vorteilhaften Konditionen die sagenhaft hohen versprochenen Renditen ­ausbleiben. Denn dann werden aus selbstbewussten Zockern plötzlich crybabies, die allen Ernstes glauben, dass Risiko so geht: Gewinne gehören ganz selbstverständlich ihnen, aber falls es mal zu Verlusten kommt, dann hat im Prinzip die Kanzlerin höchstpersönlich dafür zu sorgen, dass sie ihr verspekuliertes Geld wieder zurückbekommen. Weil, so geht das ja nicht.

Natürlich geht es so. Wie auch schon der Börsenspekulant und Politiker Bernhard M. Baruch wusste: »Mache keinen für deine Missgriffe und Fehler verantwortlich«, lautete eines seiner Credi, falls Credi die Mehrzahl von Credo ist. Baruch hatte recht, was allerdings leider viel zu wenige wissen. Sein in den fünfziger Jahren erstmals auf Deutsch erschienenes Buch »Gute 88 Jahre« ist nach wie vor sehr lehrreich, noch dazu gebraucht sehr günstig erhältlich. Eine perfekte Urlaubslektüre! Dann muss man sich nur noch einen schönen Platz an irgendeinem Wasser suchen und schon kann man gemütlich daliegen und lesen und dabei was lernen und über die ganzen Besserverdienerdeutschen lachen, die derweil jammerlappig zu Hause sitzen.