Small Talk mit dem IG-Metall-Streikleiter Bernd Kruppa zum Arbeitskampf bei Halberg-Guss in Leipzig

»Unsere Position wird jeden Tag stärker«

Seit zwei Wochen wird bei Halberg-Guss in Leipzig gestreikt. Das Unternehmen stellt Motorblöcke und Antriebswellen für PKW und LKW her. Die Produktion ruht, erste Kunden bestätigten Engpässe wegen des Ausstands. Bernd Kruppa, Streikleiter und erster Bevollmächtiger der Leipziger IG Metall, hat mit der Jungle World gesprochen.
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Wie geht es nach zwei Wochen mit dem Arbeitskampf bei Halberg-Guss in Leipzig weiter?
Der Streik wird unbefristet und mit unverminderter Härte fortgesetzt – rund um die Uhr.

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Bei dem Konflikt geht es um die geplante Schließung des Standorts Leipzig mit 700 Beschäftigten Ende 2019. Warum soll das Werk dichtmachen?
Der Kunde Volkswagen hatte bereits angekündigt, die überhöhten Preise des Zulieferers Prevent, der Halberg im Januar gekauft hat, nicht mehr zu zahlen. Wir haben uns deshalb entschieden, von der Rolle der Zuschauer in die aktive Rolle zu wechseln, und sind in den Arbeitskampf getreten. Es kann ja nicht sein, dass zwischen den Großen das Geld hin und her geschoben wird und wir am Ende eh nur die Arbeitsplätze verlieren. Jeder Delinquent verdient ein ehrbares Verfahren und wir geben nicht kampflos auf. Kapitalismus ist halt nicht logisch – aber veränderbar.

Inwiefern verändern Sie den Kapitalismus?
Wir werden das Wirtschaftssystem nicht durch einen Streik verändern. Aber wir richten den Blick auf die Widersprüche des Systems und heben den Konflikt auf eine gesellschaftspolitische Ebene. Weder die Kunden noch die Eigentümer haben damit gerechnet, dass sich Belegschaften in der Form wehren. Wir haben nicht nur Sympathien in der Bevölkerung und bei betroffenen Belegschaften, auch die mediale Berichterstattung ist breit.

Was fordert die Belegschaft?
Wir fordern einen Sozialtarifvertrag. Für den Verlust des Arbeitsplatzes sollen hohe Abfindungen geleistet werden. Und wir fordern die Einrichtung einer Qualifizierungsgesellschaft mit Nettoabsicherung für die IG-Metall-Mitglieder für zwölf Monate und die Einrichtung eines Treuhandfonds, an dem sich alle Beteiligten, also auch die Kunden wie beispielsweise VW, beteiligen müssen.

Das Werk soll geschlossen werden. Warum übernehmen Sie den Laden nicht einfach, anstatt nur Entschädigungen zu fordern?
Rational wäre es. Aber da müssten Sie die Belegschaft fragen. Ich denke, wenn wir schon verlieren, dann wollen wir unsere Haut so teuer wie möglich verkaufen oder erzwingen, dass die Entscheidungsträger, die Verantwortlichen auf beiden Seiten, wieder ins Verfahren kommen. Aber wie es ausgeht, kann ich nicht sagen.

Wie geht es weiter?
Das Unternehmen bittet um einen Runden Tisch und es gab auch schon Verhandlungen. Gemessen an unseren Forderungen liegen wir da aber zu weit auseinander. Ich schätze, dass wir erst den maximalen ökonomischen Druck aufbauen müssen, bis es zum Schwur kommt. Und der wird eintreten. Denn unsere Position wird jeden Tag stärker in dem Maße, wie der Druck auch europaweit zunimmt.