Porträt - Der britische Außenminister Boris Johnson tat endlich etwas Richtiges

Time to leave

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Beim »Chequers summit«, dem Klausurtreffen des britischen Kabinetts auf dem Landsitz der Premierministerin am Freitag voriger Woche, scheinen einige Teilnehmer etwas gecheckt zu haben: Es ist höchste Zeit, die Flucht zu ergreifen. Am Sonntag trat David Davis, der Minister für den Austritt aus der Europäischen Union, aus der Regierung aus, es folgten sein Stellvertreter Steve Baker und am Montag dann ­Außenminister Boris Johnson, der wohl prominenteste »Brexiteer«. Alle drei befürworten einen »harten Brexit«, keiner von ihnen hat einen Plan dafür. Premierministerin Theresa May hingegen neigt zu einem ­»weichen« Austritt, der möglichst viele ökonomische Vorteile der EU-Mitgliedschaft bewahrt – hat aber ebenfalls keinen Plan, wie das bewerkstelligt werden soll.

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Johnson will offenbar jede Verantwortung für das sich anbahnende Desaster von sich weisen – zu dem er maßgeblich beigetragen hat. Mit seiner eigenwilligen Haartracht und gelegentlichen Rüpeleien stilisierte er sich zu einer Art konser­vativem Punk, der Sohn einer wohlhabenden Familie absolvierte jedoch die klassische Ausbildung in Eton und Oxford und meint, dass die Menschheit ohne ­Eliten »noch in Höhlen leben« würde. Derzeit aber machen die britische »Elite« im Allgemeinen und Johnson im Besonderen keine allzu gute Figur. Im Februar 2016 schloss er sich der »Vote Leave«-Kampagne an, wurde zu einem ihrer führenden Protagonisten und log, der EU-Austritt werde Großbritannien 350 Millionen Pfund pro Woche für die Gesundheitsversorgung einbringen. Als Außenminister ließ er es oft ein wenig an diplomatischem Gespür fehlen; so konnte ihn der britische Botschafter bei einem Besuch in Myanmar gerade noch davon abhalten, Rudyard Kiplings Gedichtzeile über Buddha, den »Götzen, gemacht aus Schlamm«, zu rezitieren. Es ist unklar, ob Johnson tatsächlich glaubt, in einem Empire zu ­leben, das dem Rest der Welt die Bedingungen diktieren kann, oder ein aufgeblasener Schlawiner ist. Vielleicht ist beides der Fall. Großbritannien steuert nun auf eine Regierungskrise zu und ist mit einer Labour-Opposition geschlagen, die ebenso wenig einen Plan hat wie die Tories und auch kaum besser frisiert ist.