Kritische Astrologie - Der Doppelpass und seine Macht über unser Leben

Ein Pass macht noch kein Tor

Kolumne Von

Jetzt ist sein Verrat komplett: Nachdem Mesut Özil sich mit einem Diktator hat fotografieren lassen ­ – ein in der Geschichte des DFB einmaliger Vorgang –­, um dann im Auftrag besagten Diktators unseren wohlverdienten WM-Sieg zu sabotieren, hatte er nun sogar die Chuzpe, aus dieser Losertruppe auszutreten. Das geht nicht, das gibt’s nicht! Da brauchte es sogar eine Sonderpressekonferenz mit Uli Hoeneß live aus dem Knast, und sicher müssen wir nicht lange warten, bis uns auch ein sportethisches Gutachten aus der Feder von Josef Fritzl erreicht.

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Mit Rassismus hat das alles natürlich überhaupt nichts zu tun, denn der kocht in Deutschland nur mehr ganz, ganz selten hoch. Man muss lediglich arbeiten wie blöde, dabei keinen einzigen Fehler machen, es außerdem klaglos aushalten, wenn man von Fan-Mob und der Bild durchs Dorf gehetzt wird, und hinterher diesem korrupten Scheißladen, der einem nicht ein einziges Mal zur Hilfe kam, weil die Bild halt doch wichtiger ist als der Team-Spirit, samt seinen aufgeblähten Frühstücks­direktoren ewige Treue schwören: Dann, nur dann, hat man eventuell eine Chance, von Rassismus verschont zu bleiben.

Aber auch nur auf Widerruf oder wenn die Sterne gerade in der einen gewissen Konstellation zueinander stehen.

Nein, Özils Verrat geht viel weiter. Er hat es gewagt, am Bild vom weltoffenen Deutschland zu kratzen. Denn der Deutsche, er will stets beides, ja alles: Affengeräusche im ­Stadion imitieren und trotzdem als Antirassist wahrgenommen werden; Milliardengeschäfte mit einem Diktator machen und dennoch aufpassen, dass es von dieser Freundschaft keine Fotos gibt.

Prognose: Bei der aktuellen Entwicklung der Debatte wird die Presse spätestens Ende des Monats feststellen, daß Özil auch am wachsenden Rassismus in Deutschland schuld ist, weil er ja so ein schlechtes Vorbild für die Integration ist.

Vielleicht entdeckt man sogar eine Mittäterschaft beim NSU oder dem ­Klimawandel. Wundern tät’s einen nicht.