Die DIY-Musikszene im kanadischen Edmonton

Eine Stadt wie ein Independent-Film

Edmonton in Kanada ist eine der nördlichsten Großstädte der Welt – und dank der geographischen Lage und extrem langer Winter sehr isoliert. Hier überschlägt sich die DIY-Szene vor Kreativität.

Du bist jetzt das dritte Mal in Edmonton und warst noch nie in New York City? Du bist ­komisch«, sagt mein Freund Dave einigermaßen belustigt, während wir Ende Juni ein Sandwich bei Farrow holen, dem besten Sandwich­laden Edmontons, der Hauptstadt der kanadischen Provinz Alberta. Dave isst den Klassiker »Grick Middle« mit Eiern und Cheddar, ich nehme das vegane Sandwich des Monats mit dem albernen Namen »Ricotta be kiddin’ me«. Es ist köstlich, ein perfektes Frühstück. Um die kulinarischen Highlights in Edmonton soll es hier allerdings nicht gehen, eine Reportage dazu gab es schließlich Anfang des Jahres schon in der FAZ. Stattdessen geht es hier um Punk und um die Do-it-yourself-Kultur in einer Stadt, die von einigen despektierlich »Deadmonton« genannt wird.

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Auf den ersten Blick mag es wirklich komisch wirken, dass Edmonton einem so gefallen kann – eine Stadt, von der viele wahrscheinlich noch nicht einmal gehört haben. Wenn Edmonton überhaupt ein Begriff ist, dann wohl wegen der Edmonton Oilers, dem Eishockey-Team, das in den Achtzigern unter anderem dank Wayne Gretzky zu Weltruhm gelangte und derzeit mit Leon Draisaitl und Tobias Rieder auch zwei deutsche Spieler unter Vertrag hat. Oder wegen der West Edmonton Mall, der von 1981 bis 2004 der zweifelhafte Ruhm zuteil wurde, das weltweit größte Einkaufszentrums zu sein, zuteil wurde. Neben den Läden gibt es eine Schlittschuhbahn, eine Seehundshow, ein Wellenbad und eine Achterbahn – alles indoor. Die Winter dauern hier schließlich bis zu sieben Monate, erster Schnee im Oktober und minus 20 bis minus 30 Grad in den Wintermonaten sind keine Seltenheit – da muss man sich irgendwo warmhalten.

Edmonton ist nicht Vancouver und Edmonton ist auch nicht Toronto – geschenkt. Trotzdem, die fünftgrößte Stadt Kanadas hat den Spitznamen »Deadmonton« wirklich nicht verdient. Hier geht es sehr lebendig zu – auch abseits der Festival-Saison, für die der Lonely-Planet-Reiseführer die Stadt preist. Denn die Musikszene ist hier das ganze Jahr über aktiv. Sie besteht aus Leuten, die trotz einigermaßen widriger Umstände überaus kreativ sind und in Eigenregie einiges auf die Beine stellen. So ist es auf den zweiten Blick gar nicht mehr so verwunderlich, dass es mich inzwischen drei Mal nach Edmonton ge­zogen hat und noch nie nach New York City.

Edmonton ist eine der nördlichsten Großstädte der Welt. Und wahrscheinlich eine der isoliertesten. Nicht nur isolieren die langen, kalten Winter, auch geographisch liegt sie einsam – bis in die nächste große Stadt, Calgary, braucht man mit dem Auto dreieinhalb Stunden, auf dem Weg zwischen den beiden Städten begegnet einem so gut wie nichts. Bis nach Vancouver braucht man gar 13 Stunden, wenn man keine Pause macht. Und zwischen Vancouver an der Westküste und Edmonton in der Prärie liegen die Rocky Mountains. Die Isolation beeinflusst natürlich auch die Musikszene der Stadt. Für tourende Bands etwa steht Edmonton selten auf dem Plan. Wenn man sich deren Routen mal anschaut, sieht man das. Oft gibt es Shows in Montreal und Toronto oder Vancouver und dann geht es runter in die USA – Detroit und Chicago oder Seattle und Portland sind einfach näher dran als Edmonton irgendwo im Nirgendwo. Und wenn es eine Band doch mal in die Provinz Alberta verschlägt, dann wird oft nur das näher an der US-Grenze gelegene Calgary bespielt und die Provinzhauptstadt Edmonton geht wiederum leer aus.

»Du kannst nicht einfach rumsitzen und darauf warten, dass die neuste Trend-Band vorbeikommt, die dir dann sagt, wie’s gemacht wird«, sagt Graeme MacKinnon. Er ist Sänger und Gitarrist der Hardcorepunk-Band No Problem, die gerade ihr drittes Album »Let God Sort Em Out« veröffentlicht hat: »Du musst deinen eigenen Kram machen. Grab einen Brunnen, lass das Wasser fließen und dann – let’s fuckin’ party! Niemand sonst wird das für uns machen.«

Das war im Grunde schon immer so, wie Sam Sutherland im Edmonton-Kapitel seines Buchs »A Perfect Youth. The Birth of Canadian Punk« schreibt. Im Juli 1979 spielten die Bands Legal Limit und The Modern Minds die erste Punk-Show in der Stadt. Weil es aufgrund der strengen Gesetze in Alberta praktisch unmöglich war, Shows in Bars zu veranstalten – von All-Ages-Shows, also Konzerten, zu denen auch Minderjährige gehen durften, mal ganz zu schweigen – war die Szene schon früh auf ein Netzwerk von Community Halls und Punk Houses angewiesen. Edmonton stand damit an der Spitze der Do-it-yourself-Punkkultur in Kanada. Das DIY-Ethos trug Früchte. Sutherland zitiert etwa Ken Chinn aka Mr. Chi Pig, der 1981 mit SNFU die einflussreichste Punk-Band aus Edmonton und sicher auch eine der einflussreichsten Kanadas gründete: »Ich habe The Modern Minds 200-mal gesehen. Ich dachte mir, die kommen von hier, die machen Musik und ich wusste, dass ich das auch kann.«

Im Grunde ist das die klassische Do-it-yourself-Geschichte, die so ­natürlich auch für Mannheim oder Kopenhagen gilt. In Edmonton, dem letzten urbanen Flecken, bevor sich weiter im Norden Prärie und Ölfelder abwechseln, hat der DIY-Gedanke aber eine größere Dringlichkeit.

»Wir sind gezwungen, monatelang in Eiseskälte und Dunkelheit klarzukommen, da bedeutet uns die Musik einfach alles. Die Isolation sorgt dafür, dass wir fokussierter sind als andere anderswo.« Benny Blitz

Die Isolation wird unwillkürlich zur Inspiration. Im Winter ziehen sich gezwungenermaßen alle zurück ins Warme und das Leben wird etwas langsamer. Die Leute entwickeln ­obskure Expertisen und widmen sich ihren Kellerprojekten. So proben ­einige die Wintermonate über exzessiv Songs der Band Thin Lizzy, um dann zum St. Patricks Day im März mit wechselnden Sängerinnen und Sängern und bei grüngefärbtem Bier sämtliche Hits der Iren zu spielen. Wieder andere stellen sich selbst die Aufgabe, jede Woche einen neuen Song zu schreiben und aufzunehmen.

Brandi Strauss, die unter anderem beim wavig-elektronischen Duo Rhythm of Cruelty singt, Gitarre und Trompete spielt, erzählt: »Für die meisten ist der Winter eine Zeit für intensive Introspektion. Ich nutze die Zeit vor allem zum Lesen und um kreativ zu werden.« Neben der Musik – aktuell eben ihre Band Rhythm of Cruelty und das Solo-Drone-Projekt Static Control – fertigt sie Collagen an und veröffentlicht diese im Selbstverlag.

Tausendsassa Benny Blitz, der mit 15 nach Edmonton gezogen ist, erklärt: »Wir sind gezwungen, monatelang in Eiseskälte und Dunkelheit klarzukommen, da bedeutet uns die Musik einfach alles. Die Isolation sorgt dafür, dass wir fokussierter sind als andere anderswo. Wir machen das nicht bloß als Wochenendvergnügen. Wir brauchen das!« Bens Freunde spielen alle parallel in zwei, drei oder noch mehr Bands. »Das passiert einfach.« Er selbst hält es ganz genau so: Als Ben Disaster hat er ein paar Power-Pop-Soloplatten aufgenommen, mit den bouncingen Elektro-Punks von Physcial Copies bespielt er die Bühnen der Stadt. Seit kurzem spielt er außerdem bei der Indie-Band Screaming Targets Gitarre und gemeinsam mit Graeme ­MacKinnon hat er die Oi-Punk-Band Masterless Dogs gegründet. Und dann gibt es noch die Power-Pop-Band Real Sickies, in die Ben wohl die meiste Energie steckt.

Im Juli haben die Real Sickies mit »Get Well Soon« nach ein paar EPs ihr erstes Album heraus­gebracht. Benny Blitz verausgabt sich hier singend für den »Cool Club«, den die Band mit ihren Fans gegründet hat. Obwohl die Platte generell poppig und optimistisch klingt, hat sie durchaus einen düsteren Unterton. Drogensucht, Isolation, eine gewisse Lebensmüdigkeit klingen durch. Kein Wunder, all das gehört zum Alltag in Edmonton. 2016 musste hier die High Level Bridge, die den Norden und den Süden der Stadt über den North Saskatchewan River verbindet, mit Gittern gesichert werden, weil zu viele Menschen von hier aus in den Freitod gesprungen sind. Die Provinz Alberta führt immer noch in der traurigen Statistik der Selbstmordraten in Kanada.

Dennoch, Edmonton ist selbst­redend nicht nur dunkel und deprimierend. Das gilt auch für Bens Songs: »Es gibt immer einen positiven Ausblick am Ende. Irgendwann kommt der Sommer schließlich wieder.« Entsprechend geht es auch ein wenig unbeschwerter, zum Beispiel in seiner wöchentlichen Radiosendung »This Is Pop« beim Campus­radio der University of Alberta, CJSR-FM 88.5. Hier spielt er vor allem ­vergnügten Power-Pop. Mit all seinen Projekten trägt er maßgeblich zu dem bei, was Edmonton eben ausmacht: »Viele Leute gehen weg aus Edmonton, weil sie lieber irgendwo sein wollen, wo schon Sachen passieren.

 

Sie gehen nach Vancouver oder Montreal zum Beispiel. Ich will lieber selbst was machen. Dafür ist Edmonton ein guter Ort.« Die Szene ist vergleichsweise überschaubar und es gibt im Grunde keine Industrie, die mitbestimmt. Benny Blitz und seine Freunde haben eine Menge Gestaltungsfreiraum hier oben in der kanadischen Prärie.

Das reizt auch Brandi. Wie Ben lebt auch sie inzwischen fast ihr halbes Leben in Edmonton: »Mit 16 bin ich aus einer kleinen Stadt hergezogen, in der es überhaupt keine Musikszene gab. Eigentlich gab es überhaupt keine Live-Musik. Als ich hier ankam, hat mich die Punk-Community mit offenen Armen empfangen und inzwischen ist sie wie eine Familie für mich.«

Auch Graeme zeichnet das Bild einer Familie: »Ich hab mir die Szene ja nicht ausgesucht, ich bin quasi da reingeboren. Mit den anderen ist es wie mit Geschwistern: Sie sind da und meistens macht es Spaß und manchmal sind sie eben auch super-nervig oder langweilig. letztlich fühlt es sich auch gar nicht an wie eine Szene. Wir sind einfach ein Haufen befreundeter Leute, die rumhängen und weil so wenig von außen kommt, machen wir eben selbst was.« Seitdem er elf oder zwölf ist, geht er auf Konzerte, macht Musik – also seit etwa 25 Jahren. Unter anderem hat er auch eine Weile mit Brandi in einer Band gespielt – Strangled hieß sie. Beide stehen Benny Blitz in nichts nach, was die Menge der verschiedenen Projekte angeht.

Zum Dasein einer Band gehört es natürlich auch, Konzerte zu geben. Die Shows machen besonders viel Spaß. Oft genug spielen die Bands in einem wild durchmischten Line-Up, wo auf den ersten Blick kein Act zum anderen passt. Das verbindende Moment ist die Tatsache, dass alle Bands aus Edmonton kommen. Am Ende passen Faith Healer mit ihrem an The Velvet Underground erinnernden Pop während der Release-Show zu ihrem Album »Try;-)« eben doch perfekt zu den Falco-meets-Talking-Heads-Quatschköpfen von Physical Copies und den no-wavigen Beauty Rest.

Die Leute aus Edmonton machen die Not zur Tugend und organisieren sich mit Verve selbst. Das zeigt sich auch, blickt man auf die Orte, an denen Live-Musik stattfindet. Die Venues reichen von Underground-Shows in den Kellern typischer nordamerikanischer Einfamilienhäuser bis zum Stadion der Edmonton Oilers, dem 2016 eröffneten Rogers Place. Während das Stadion, bespielt von Acts wie Depeche Mode und Beyoncé, definitiv kein Geheimtipp ist, muss man für die Underground-Shows selbstredend schon besser Bescheid wissen.

Entsprechend dankbar bin ich, als mich im September 2017 mein Kumpel Danny zur allerletzten Show in der Skymall einlädt, einem unscheinbar wirkenden Haus in ­familiärer Nachbarschaft, an dem ich ohne die vielen Fahrräder im Vorgarten wahrscheinlich vorbei geradelt wäre. So schmeiße ich mein Rad zu den anderen und bin Gast bei der letzten Show im Keller des von Studentinnen und Studenten bewohnten Hauses, in dem tourende Bands und lokale Acts gleichermaßen gerne spielen. In Nordamerika haben solche Veranstaltungsorte Tradition. Hier gibt es keine Altersbeschränkungen beim Einlass und Musiker müssen sich nicht mühsam um Schlafplätze kümmern – was für die DIY-Kultur in Deutschland üblich ist, dass es etwas zu essen, Drinks und Schlafplätze gibt, ist in Kanada eher nicht die Regel. Die Bands können hier aber ihre Schlafsäcke nach der Show einfach im Wohnzimmer ausrollen. Obwohl ich zum ersten Mal dabei bin, werde ich fast auch ein bisschen sentimental, als die Grunge-Jungs von Dead Fibres als letzte Band überhaupt in diesem Keller spielen.

Weil es kaum All-Ages-Venues gibt, finden Konzerte auch schon mal in mexikanischen Restaurants statt. Zu so einem Konzert fährt mich im Sommer 2017 meine Zufallsbekanntschaft Bo, ein Mittsechziger im Oldtimer, der mir auf dem Weg dorthin noch erklärt, dass sein Vater die Fenster in einer der Kirchen, an der wir vorbeifahren, eingebaut hat. An dem mexikanischen Restaurant angekommen, will er mich hineinbegleiten, weil es ihm doch ein wenig zwielichtig vorkommt. Ich lehne dankend ab und wage mich alleine in den Laden, der völlig harmlos auf der einen Seite mit einem All-You-Can-Eat-Buffet lockt, während auf der anderen Seite 15jährige in ihren selbstgemalten Circle-Jerks-T-Shirts wild tanzen.

Ein professionellerer Veranstaltungsort in Edmonton ist The Sewing Machine Factory, für die Tab C.A. das Booking macht. Tab beschreibt The Sewing Machine Factory als »Skymall mit einem cooleren Vermieter, einer Schanklizenz und mehr Platz und Equipment«. Tab wohnte einst im Chess House, einem der DIY-Häuser, wie Skymall es einst war, und ist seit ein paar Jahren in der Szene aktiv. Für Edmonton nimmt The Sewing Machine Factory, gemeinsam mit The Aviary, noch so einem quasi aus der Szene heraus betriebenen Laden, eine wichtige Rolle ein. Oft ist die Arbeit wegen der offiziellen Verwaltungsstrukturen aber gar nicht so einfach, wie Tab erklärt: »Manchmal ist es schon frustrierend, wenn ein großes Festival ohne Probleme eine Lizenz für einen All-Ages-Biergarten bekommt und ein Laden wie unserer nicht für alle Altersgruppen öffnen darf, ohne die unmöglichsten Auflagen zu befolgen.« The Sewing Machine Factory musste also kurz nach der Eröffnung im Frühjahr 2016 erst mal wieder schließen. Eine Renovierung war nötig, um die Schanklizenz zu bekommen. Dank dieser können nun auch zwei Mal im Monat All-Ages-Shows querfinanziert werden und neben tourenden Acts kann sich auch die DIY-Szene der Stadt hier austoben.

Als ich Ben frage, was ihm DIY bedeutet, antwortet er trocken: »Schulden«. Als seien diverse Bands und die Radioshow nicht genug, hat er gerade mit seinem Kumpel Rob Lawless ein Plattenlabel gegründet: This Is Pop Records. Eigentlich war die Idee bloß, zur 100. Episode seiner Radiosendung einen This-Is-Pop-Sampler mit kanadischem Power-Pop und Punk zu veröffentlichen. Inzwischen ist das Projekt ein wenig gewachsen und verschiedene Releases sind entstanden. »Auf der Compilation sind Bands aus den verschiedenen Regionen Kanadas, auch frankophone Acts sind drauf. Wir wollten eigentlich alle Provinzen und Territories repräsentieren – das ist uns nicht ganz gelungen.« Zur Halifax Pop Explo­sion, einem Festival Mitte Oktober in Halifax an der Ostküste Kanadas, soll der Sampler allerspätestens ­fertig sein. Benny Blitz und Rob Lawless werden dafür aus Edmonton fast 5 000 Kilometer in den Osten reisen, um ihr Projekt vorzustellen. Ben rechnet ganz bescheiden eigentlich nicht damit, dass die Platte sofort ein Hit wird und Profite abwirft: »Aber vielleicht findet in 20 Jahren jemand unsere Platte auf dem Flohmarkt und ist so begeistert wie ich, wenn ich heute was Gutes finde. Das würde mich freuen!«

Für Graeme von No Problem ist das etwas anders. Nicht umsonst ­eröffnen die vier Punks ihr drittes Album mit dem Song »Get the Feeling Back«: »Es geht darum, wieder reinzukommen und das wiederzufinden, was dieses ganze Punk-Ding eben ausmacht. Für mich war Musik immer ein Ausweg aus der ganzen Scheiße, die so passiert – auf einem persönlichen Level, aber ja auch gesellschaftlich.« Selbst in einem so friedlichen Land wie Kanada, mit einem Premierminister, der sich auch gerne mal in Chewbacca-Socken zeigt, gibt es genug zu meckern. Das Album von No Problem, »Let God Sort Em Out«, ist bisweilen ziemlich schonungslos.

»Ich glaube, wir haben da eine einzigartige Perspektive auf die Dinge. Klar ist alles scheiße, aber so ist eben das Leben. Daran werden wir auch nichts ändern«, sagt Graeme einigermaßen abgeklärt. »Aber natürlich sagen wir was dazu und das hat dann immerhin einen therapeutischen Effekt für uns.«

Musik ist auch ein Ausweg aus Edmonton. No Problem sind in den vergangenen Jahren viel getourt und haben die ganze Welt bereist. Zuletzt ging es nach Großbritannien und weitere Tourneen sind in Planung. Graeme beschreibt diese Möglichkeiten, die Welt zu sehen, als unheimlich bereichernd: »Es ist cool, wenn wir als ›wildlings from beyond the wall‹ auf eine mexikanische Punk-Band treffen und obwohl uns so viel unterscheidet, verbindet uns dann eben doch eine ganze Menge.«

Trotzdem, auch das Wiederkommen ist gut, denn Edmonton, oder auch »Suffocate City«, wie die Stadt auf dem ersten No-Problem-Album bezeichnet wird, ist ein besonderer Ort. Ich erzähle Graeme von Daves Witz im Sandwichladen. Er grinst und sagt: »Wir sind eher wie so ein Independent-Film. New York City ist der Big Player, eher so ein Spielberg-Blockbuster. Wir sind wie Ed Wood, wir sind ›Plan 9 from Outer Space‹. Wenn du eine fliegende Untertasse sehen willst, klau jemandem die Radkappen und los geht’s!«