Rechte Verlage auf der Frankfurter Buchmesse

Rechte am Rand

Raucherecke Von

Man sollte alljährlich in den Messehallen in Frankfurt am Main gesehen werden, wenn man im Literaturbetrieb etwas gelten will. Die Buchmesse lassen sich selbstverständlich auch rechte Verleger, die Verschwörungstheorien und Ähnliches verbreiten, nicht nehmen. Sie proben dort die angestrebte rechte Kulturrevolution. Im vergangenen Jahr schien die Leitung der Buchmesse völlig überfordert angesichts der Bedrohung, mit der sich von Rassismus Betroffene sowie antifaschistische Initiativen und Verlage konfrontiert sahen.

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In diesem Jahr sollte es anders laufen. Mehrere rechte Verlage, darunter die Wochenzeitung Junge Freiheit sowie der Manuscriptum-Verlag, wurden am Rand der Messehalle untergebracht, in der sich politische und auch linke Verlage befanden. Jene warnten auf Plakaten vor dem Verlassen des »politisch korrekten Sektors«. Der Manuscriptum-Verlag mietete einen Konferenzraum an, um dort sein neues Buch »Nie zweimal in denselben Fluss. Björn Höcke im Gespräch mit Sebastian Hennig« zu präsentieren. Vorsorglich sperrte die Polizei sämtliche Zugänge zum Veranstaltungsort und setzte die Fahrstühle außer Betrieb. Eine Sprecherin der Buchmesse unterband den Versuch eines Manuscriptum-Mitarbeiters, Journalisten Video- und Tonaufnahmen zu verbieten.

Ging es um Bestsellerautoren, zeigte sich die Messeleitung jedoch flexibel. In einem der beiden zentralen und größten Lesezelte auf dem Innenhof konnte Thilo Sarrazin sein Buch vorstellen. Im »Yogi Tea Lesezelt« gab es zu Sarrazins neuestem Erguss einen Aufguss nach ayurvedischen Rezepten, garantiert bio. Weniger prominente Rechte mussten in die Trickkiste greifen. Einen PR-Coup landete Götz Kubitschek. Durch einen vorgespielten Verkauf seines Antaios-Verlags an den Loci-Verlag, von der FAZ exklusiv hinausposaunt, konnte dieser es sich  zwischen  linken  Verlagen und Zeitungen gemütlich machen.

Einen »Bewusstseinsprozess bei der Buchmesse und bei vielen Besucherinnern und Besuchern« stellte Timo Reinfrank fest. Der Geschäftsführer der Amadeu-Antonio-Stiftung war mit seinem Stand im vergangenen Jahr im direkten Umfeld der Neuen Rechten untergebracht. Zwar habe es weiterhin bedrohliche Besuche von Rechten am Stand gegeben, das Sicherheitskonzept der Messe habe die Bedrohung in diesem Jahr jedoch stark gemindert. Darüber hinaus setzte die Stiftung inhaltliche Akzente: sie verteilte Informationsmaterial über die Neue Rechte und den Umgang mit ihr.