Das schiitische Internet-Portal »Offenkundiges« verbreitet Israel-Hass und Homophobie

Schreiben mit Gemeinschaftsgeist

Das Internet-Portal »Offenkundiges« unterstützt das iranische Regime. Auch Phantasien von der Zerstörung Israels werden dort veröffentlicht.

Die Homepage des Islamischen Zentrums Hamburg (IZH) ist nicht auf dem neuesten Stand. Als Leiter der größten und wichtigsten schiitischen Einrichtung in Deutschland wird dort weiterhin Ayatollah Reza Ramezani angegeben. Er befindet sich allerdings seit September wieder im Iran, das Amt hat mittlerweile Mohammed Hadi Mofatteh inne. Der Geistliche im Rang eines Hojatoleslam steht also dem Zentrum vor, das Experten zufolge eine Zweigstelle des iranischen Mullah-Regimes in Deutschland ist.

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Mofatteh kann einen einschlägigen Lebenslauf vorweisen. Recherchen der Journalistin Antje Schippmann zufolge war er Mitglied der iranischen Revolutionsgarden, einer mächtigen paramilitärischen Organisation, die im Iran politischen Widerstand niederschlägt und außerhalb des Landes mit den Quds-Brigaden Terror verbreitet. Grüne und FDP kritisierten die Bundesregierung wegen der Visumsvergabe an Mofatteh.

Andere zeigten sich hingegen erfreut über den neuen Mann im IZH. »Den Segen und den Beistand Gottes in diesem wichtigen Amt« wünschte die ­Redaktion des Internet-Portals »Offenkundiges« Mofatteh zum Beginn seiner Tätigkeit. Die Plattform war vor knapp vier Jahren zunächst als »Gemeinschaft muslimischer Publizisten« gegründet worden. Die Berichterstattung zeichnet sich durch Treue zum iranischen Regime aus.

Wie für dieses ist für die Autoren Israel der größte Feind. Im Oktober beispielsweise stellte ein Autor unter der Überschrift »Richtet die IDF Palästinenser hin?« fest, dass es »rein rechtlich betrachtet keine Hinrichtungen sind«, sondern »schlicht und ergreifend Mord, kaltblütiger Mord«. Man findet auf der Seite »Zehn Gründe für den baldigen Untergang Israels«, dieses »westlich-kolo­nialistischen Projektes«. Ein Schreiber debattiert unter dem Titel »Eine zweite große Flüchtlingswelle erwartet Deutschland« Szenarien, »wie das Apartheidregime zu seinem Ende kommen wird«, etwa durch die »militärische Befreiung Palästinas«, der eine jüdischen Massenflucht in die Bundesrepublik folgen werde.

Inhaltlich verantwortlich für »Offenkundiges« ist Huseyin Özoguz aus Delmenhorst. Er ist der Sohn von Yavuz Özoguz, einem der beiden Macher der einschlägig als islamistisch bekannten Website Muslim-Markt. Gemeinsam mit seinem Vater und seinem Onkel Gürhan Özoguz betreibt Huseyin zudem den Verlag Eslamica.

»Offenkundiges« widmet sich auch Geschlechterfragen. Einleitend zu ihrem Beitrag »Die Angst vor dem Weiblichen« zitiert eine Autorin zustimmend aus dem Buch »Revolte gegen die moderne Welt« des italienischen Philosophen, Rassenideologen und Antisemiten Julius Evola, um anschließend gegen die »Gleichschaltung« der Geschlechter zu wettern und die traditionelle Rolle der Frau im Islam anzupreisen. Die Frau sei in der Moderne dazu »gezwungen, die Bühnen der Männer zu betreten«, obwohl »die meisten Rollen, die sie dort einnehmen« müsse, »nicht ihrer seelischen Veranlagung entsprechen«, so dass sie sich dort »weitestgehend vermännlichen« müsse.

Prinzipiell gilt auf dem Portal: Homosexualität ist des Teufels. So sagte der Leiter des Islamischen Zentrums Imam Riza in Berlin, Sabahattin Türkyılmaz, in einem Interview, Homosexualität sei verursacht von »satanischen Bestrebungen« und »eine moralische Perversion«. Homosexualität verhindere die »gesunde Zukunft der Gesellschaft«. »Viele Texte wirken, als wolle man sich an populäre neurechte Diskurse über Homo-Lobby, Frühsexualisierung und Co. dranhängen und eine Verbrüderung mit christlichen Fundamentalisten suchen«, schreibt Norbert Blech auf Queer.de über »Offenkundiges«.

Das Portal ist zeitgemäß aufgemacht und dürfte unkundigen Besuchern nicht sofort negativ auffallen. Die enge Anbindung an die Islamische Republik Iran wird jedoch deutlich. So finden sich neben dem Beitrag zur offiziellen Verabschiedung des Ayatollah Reza Ramezani gleich mehrere Übersetzungen von Redemanuskripten des Ayatollahs Ali Khamenei, des politischen und religiösen Oberhaupts des Iran. Manche Überschriften sind eindeutig: »Das zionistische Regime ist illegitim und wird nicht überdauern« und »Fünf Lehren für den Iran und fünf Bedingungen an die Europäer: Imam Khamenei über die Zukunft des Atomabkommens«.