Homestory

Homestory #49

Das Internet soll schneller werden, was eine super Idee ist, denn im Moment lahmt die redaktionsinterne Kommunikation per E-Mail noch ein wenig, obwohl unser Redaktionsbüro nicht fernab an irgendeiner Milchkannen-Adresse liegt, sondern die Räume bekanntermaßen im Herzen von Berlin-Kreuzberg angemietet wurden. Eine Mitteilung per Mail an einen zwei Räume entfernt sitzenden Kollegen zu schicken, ist jedenfalls keine gute Idee, wenn es um Minuten geht. Möchte eines unserer Fachressorts (beispielsweise das Feuil­leton) an die Layout genannte Kommandobrücke melden, dass die dringlich erwartete Kolumne eines Autors oder einer Autorin gerade eingetroffen ist, greift man am besten zum Telefon (Platz eins) oder begibt sich zügigen Schrittes dorthin (Platz zwei), schreibt aber keinesfalls eine E-Mail, die, wie ein Selbstversuch ergeben hat, sehr viel länger unterwegs ist als man selbst.

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Schnelligkeit ist im Journalismus eine Tugend, als Erster an einer Geschichte dran zu sein der Ehrgeiz jedes Journalisten. Nikolas Grimm hat es geschafft. Für Jungle World fand er den Aktivisten Bartolo Fuentes, dem unterstellt wird, die Flüchtlingskarawane in Mittelamerika zu dirigieren, und sprach mit ihm in Mexiko-Stadt. Sein Artikel »Selbst ist die Flucht« erschien bei uns am 15. November 2018.

Zwei Wochen später war dann auch die Welt so weit: »Unser Reporter hat den Mann gefunden, der sie ausgelöst haben soll.« Guten Morgen, Welt.

Schnelligkeit ist für das Überleben im Redaktionsalltag ziemlich oft erforderlich: Nicht nur Themen wollen schnell gefunden und Texte rasch veröffentlicht werden, auch wenn irgendwer Süßigkeiten (im Dezember gern passend zur Jahreszeit Lebkuchenherzen) für alle auf den Konferenztisch legt, beeilt man sich besser, bevor alles weggegessen ist. Zum Glück gibt es aber bei dem ganzen Stress auch Momente der Langsamkeit, zum Beispiel im Fahrstuhl, der wohl weltweit der langsamste seiner Art ist und dem hektischen Jour­nalisten beim Hochfahren eine kurze Zeit der Trödelei geradezu aufzwingt. Und wenn mal jemand eine Extraportion Ruhe braucht, ist das große blaue Sofa der perfekte Ort, um sich für ein paar Minuten aufs Ohr zu hauen – aber nur, bis das Telefon wieder klingelt, weil eine Kollegin oder ein Kollege lieber durchruft, als eine Mail zu verschicken.