Das Medium - Debatten, auf die man verzichten kann

Um die Wurst

Kolumne Von

Irgendwie schon typisch: Da wird in Deutschland einmal ausgiebig Essen thematisiert, und dann geht es die ganze Zeit um Blutwurst. Beziehungsweise darum, wer nun recht hat, diejenigen, die Blutwurst mögen, oder die, die Blutwurst verabscheuen. Nun könnte man denken, dass so eine Diskussion schnell vorbei wäre, wenn jeder halt mal gesagt hat, was er schon immer mal über Blutwurst sagen wollte, aber nein, NEIN!

Anzeige

Denn es geht ja um viel mehr als um Flönz oder Puttes oder Panhas, es geht um das Abendland und das steht und fällt mit Wurst. Blutwurst. Nun könnte man einwenden, dass in China, der Mongolei, Tibet und Kenia schon Blutwurst gegessen ­wurde, als es noch gar kein Deutschland gab, aber dieses Abendland, diese Wurst. So geht das nun schon seit Tagen und später glaubt einem das sicher kein Mensch, wenn man erzählt, dass man einmal fast vergessen hätte, diese Kolumne hier zu schreiben, weil man nämlich die große Blutwurstdebatte verfolgen musste.

Im Moment verlaufen die Fronten so: Die einen haben recht, weil sie Blutwurst mögen, und die anderen, weil sie sie nicht mögen, und es ist ein großes Geschrei. Und nur noch ein paarmal schlafen, dann sind auch schon die ersten Freundschaften über der Wurstfrage zerbrochen, unwiederbringlich, und auch die ersten WG – so heißt nämlich die Mehrzahl von WG und nicht WGs, weil der Plural nämlich nicht Wohngemeinschaftens lautet, wirklich nicht, und ja, aus exakt diesem Grunde ist PKWs und LKWs auch falsch, wäre nett, wenn sich das alle jetzt endlich mal merken würden, dankeschön.

Aber wir waren bei der Blutwurst, die immerhin kein Pluralproblem hat, was aber auch schon das Netteste ist, was man über sie sagen kann. Nächste Woche dann: Eine neue Sau wird durchs Dorf getrieben und endet als Wurst.