Die Moderatoren des rechtsextremen Podcasts FSN.TV geben sich rebellisch und hip

Youtube als Naziglotze

Der Podcast FSN.TV verbreitet seine extrem rechte Propaganda über Youtube. Dabei geben sich die Moderatoren Patrick Schröder und der maskierte »Vendetta« rebellisch, kritisch und hip.

Wenn man auf Youtube nach extrem rechten Inhalten sucht, wird man Rechtsrock, antisemitische Verschwörungstheorien und nationalsozialistische Videopodcasts schnell finden. Einer davon ist FSN.TV. Das Kürzel steht für »frei, sozial und national« – eine gängige Parole im Neonazimilieu. Das Motto des FSN-Portals lautet »Hören macht frei«.

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In dem Podcast grüßt der Moderator Patrick Schröder meist zu Beginn einer Sendung das »FSN-Universe«. Er diskutiert mit seinem Co-Moderator »Vendetta«, der stets eine Guy-Fakes-Maske trägt wie die Hauptfigur in der Graphic Novel »V für Vendetta« und ihrer gleich­namigen Verfilmung, über vorgegebene und tagesaktuelle Geschehnisse, die im Videotitel genannt werden. Das Format »Politik Spezial« scheint sich wachsender Beliebtheit zu erfreuen. Hier behandeln die Moderatoren weltpolitische Themen wie den Bürgerkrieg in Syrien, den Korea-Konflikt oder die von US-Präsident Donald Trump verhängten Handelszölle. Doch auch innenpolitische Themen wie Wahlen samt Regierungsbildung und die Antisemitismusdebatte anlässlich der Echo-Verleihung 2018 werden behandelt.

Die Neonazimarke »Ansgar Aryan«, deren Produkte er bewirbt, gehört ebenfalls Patrick Schröder.

Die beiden Moderatoren treten locker und rebellisch auf. Sie inszenieren sich als verfolgte Kraft, die Deutschland und Europa vor einer »Islamisierung« bewahren will. Eine positive Haltung zum Nationalsozialismus klingt häufig durch, an einer justitiablen Leugnung der Shoah dürften sie aber vorbeischrammen. Oft stellen sie die Legitimität der Bundesrepublik Deutschland in Frage und transportieren ein geschichts­revisionistisches Weltbild. Das bezieht sich meistens auf die Shoah, allerdings auch allgemein auf den Charakter des Zweiten Weltkriegs als deutschem Angriffskrieg. Auffällig ist die betont lustig-lockere Haltung der beiden. FSN.TV gibt sich »bunt und ­vielfältig«, Kurden im Syrien-Krieg werden »Kurdiletten« genannt.

FSN.TV existiert seit August 2012. Damals etablierte der Moderator Patrick Schröder den Podcast als weitere Plattform neben »Radio FSN«. Schröder ist eine bekannte Figur im Neonazimilieu. Der NPD-Funktionär aus der bayerischen Region Oberpfalz veranstaltet regelmäßig Schulungen zur Außendarstellung der Kader. Die Neonazimarke »Ansgar Aryan« gehört ihm. Diese bietet Kleidung mit politisch eindeutigen Botschaften, unter anderem mit Motiven wie dem Eisernen Kreuz und einem »Death or Glory«-Aufdruck, der indirekten Aufforderung, dem Ku-Klux-Klan beizutreten, oder einem an den Reichsadler angelehnten Adler mit den Schriftzügen »Sieg oder Tod« und »Gott mit uns«, bei denen es sich um Leitsprüche der Wehrmacht handelt.

Darüber hinaus veranstaltet Schröder seit 2013 auch Rechtsrockkonzerte. Das bekannteste war »Rock gegen Überfremdung« im Sommer 2017, auch ­bekannt als »Sturm auf Themar«, bei dem sich mehr als 6 000 Neonazis t­rafen.

Der zweite Moderator, »Vendetta«, heißt mit bürgerlichem Namen Daniel Franz. Der ehemalige Zeitsoldat der Bundeswehr ist seit 2012 bei FSN.TV, wo er als »Experte« und Stichwortgeber fungiert. Gerade bei Beiträgen zum Syrien-Krieg befragt Schröder Franz häufig zu Gefechten oder auch zur Schlagkraft einzelner Akteure. Aber auch bei Neo­nazithemen weiß Franz bestens Bescheid, beispielsweise wenn es um die mittlerweile verbotene Kameradschaft »Freies Netz Süd« geht. Deren Kader sind mittlerweile bei der Kleinpartei »Der III. Weg« tätig. Franz trägt regelmäßig eine Bundeswehrjacke der 1. Kompanie des Logistikbataillons 472. Das Bataillon ist in der Oberpfalz stationiert.

Der Einfluss von FSN.TV im Neonazimilieu stieg seit 2012 kontinuierlich an. Neben Größen wie Dieter Riefling, ­einem ehemaligen Kader der verbotenen Neonazipartei FAP, bot der Podcast auch Mitgliedern der extrem rechten Musikszene wie dem Nazi-Rapper »MakSS Damage« alias Julian Fritsch regelmäßig eine Plattform.

Letzterer hat allerdings, wie auch ein großer Teil der Szene, mit Schröder und Franz gebrochen. »MakSS Damage« veröffentlichte einen Disstrack gegen Schröder, weil dieser den ganz offenen völkischen Rassismus und Antisemitismus, wenn auch eher aus taktischen Gründen, ablehnt und sich bei der ­Öffentlichkeitsarbeit an der Identitären Bewegung orientieren möchte. Fritsch sieht dagegen in der Identitären Bewegung nur »eine konservative Gruppe, die sich ausschließlich auf den Islam als Feind fokussiert«. Das und die offensichtliche Kommerzialisierung von Naziideologie trugen dazu bei, dass Schröder mittlerweile szeneintern recht umstritten ist.

Außerhalb der extremen Rechten versucht FSN.TV, vermeintlich unpolitische oder konservative Jugendliche an die Naziideologie heranzuführen. ­Dabei sprechen die Zahlen nicht gerade für Schröder. Er nennt zwar für das »Radio FSN« zeitweise 200 Hörer, was für eine gewisse Szenerelevanz spricht. Schröders Anspruch, eine breite Masse für sich zu gewinnen, wird allerdings nicht erfüllt. Der bayerische Verfassungsschutz kon­statierte in seinen Berichten von 2013 und 2016, Schröder erreiche »mit seiner Sendung ein überregionales Szene­publikum«. Die »Politik Spezial«-Videos kommen allerdings schon mal auf deutlich fünfstellige Aufrufzahlen.

Im Mai 2018 kam es zu einer Hausdurchsuchung bei Schröder. Wie der MDR berichtete, verdächtigte die Steuerfahndung Schröder und seinen ­damaligen Kompagnon Tommy Frenck, die Einnahmen aus gemeinsam ver­anstalteten Nazirockfestivals nicht korrekt versteuert zu haben. So sollen bei dem Konzert im Juli 2017 in Themar mindestens 210 000 Euro allein durch Eintrittsgelder eingenommen worden sein. Schröder stellte die Durchsuchungen als einen weiteren Beleg für staatliche Repression wegen harmloser Meinungsäußerungen dar und kündigte an, er werde selbstverständlich weitermachen.

Doch von Mai bis Juli 2018 pausierte FSN.TV überraschend. In der ersten Sendung nach der Pause gab es ein neues Intro mit einem schalen Witz: »Die nachfolgende Sendung ist für Primaten aller Altersgruppen nicht geeignet.« Danach werden Schlagwörter wie »Politik«, »Bewegung« und »Szene« eingeblendet, zwischen denen  unter anderem Fahnen mit dem Lambda-Logo der Identitären Bewegung zu sehen sind. Zugleich verfolgt FSN.TV seitdem eine offensivere Ausdrucksweise – mit teilweise offener Gewaltandrohung. Beispielsweise sollen die Namen von Funktionärinnen und Funktionären der ­Jusos an das Kommando Spezialkräfte der Bundeswehr weitergegeben werden, weil die Jusos sich für die Legalisierung von Spätabtreibungen ausgesprochen hätten. Die Drohung ist eine Anspielung auf die Todeslisten, die bei extrem rechten Netzwerken in der Bundeswehr aufgetaucht sind.