Wegen Israelfeindlichkeit: Das Paralympische Komitee hat Malaysia die Schwimmweltmeisterschaft 2019 entzogen

Israelhass ausbaden

Im Juli und August 2019 sollten in Malaysia die paralympische Schwimm-WM stattfinden. Die malaysische Regierung hatte erklärt, keine israelischen Wettkampfteilnehmer ins Land zu lassen. Nun fällt die WM ins Wasser.
Gastkommentar Von

Bei der Vergabe internationaler Sportveranstaltungen scheren sich Sportorganisationen zumeist einen Dreck um die Menschenrechtsbilanz der Austragungsländer. Die Haltungslosigkeit mancher Funktionäre ist ein Skandal. Zu den Grundsätzen jedes sportlichen Wettkampfs gehört eigentlich, dass nur die ­Leistungen und nicht Herkunft, Religion, Hautfarbe oder Nation der Athleten über die Teilnahme entscheiden. Auch diese Selbstverständlichkeit steht in Frage.

Regime, die die Menschenrechte mit Füßen treten, darf man nicht aufwerten und hofieren. Und ein Regime, das Israel und seine Bürger boykottiert, sollte eine klare Antwort erhalten: Boykottiert die Boykotteure!

Denn internationale Sportwettkämpfe gehen immer wieder an Länder, die Israelis generell von einer Teilnahme ausschließen: Im April vergangenen Jahres hatte Tunesien vier israelischen Athleten die Teilnahme an der Taekwondo-WM verwehrt. Häufig werden auch Israelis ihre nationalen Symbole verweigert. In Abu Dhabi wurde 2018 bei einem Turnier zum ersten Mal die israelische Hymne Hatikva gespielt, nachdem ein israelischer Judoka die Goldmedaille gewonnen hatte. Die antiisraelischen Parolen der BDS-Kampagne werden von manifesten Drohungen palästinensischer Politiker und Sportfunktionäre begleitet sowie von staatlichen Boykottmaßnahmen arabischer oder muslimischer Staaten. Erst vergangenes Jahr knickte die argentinische Fußballnationalmannschaft aus Sorge um die Gesundheit ihrer Spieler davor ein und sagte ein Match in Israel ab.

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2019 sollte die paralympische Schwimm-WM mit 600 Teilnehmern aus annähernd 70 Nationen in Malaysia stattfinden – nur Israels Schwimmer hätte man nicht einreisen lassen. Das hätte man sich vorher denken können: Der malaysische Ministerpräsident Mahathir bin Mohamad ist ein eingefleischter Antisemit, der sich nicht mal umständlich hinter angeblicher Israelkritik versteckt; von ihm sind Äußerungen wie »Der ­Holocaust hat als Endlösung versagt« überliefert.

Nun hat das Internationale Paralympische Komitee so reagiert, wie man es von allen Sportverbänden erwarten würde: Es entzieht dem Land die Schwimm-WM – ein in der Welt des organisierten Sports leider nicht selbstverständlicher Schritt. Das muss sich ändern: Bei jedem internationalen Sportereignis müssen alle Sportler und Fans unabhängig von ihrer Nationalität ­diskriminierungsfreien Zugang haben. Dieser Grundsatz gehört in alle Vereinbarungen mit Ausrichtern.

Aber mehr Aufmerksamkeit bei Menschenrechten und eine klare Haltung gegen die antisemitische Boykottkampagne gegen israelische Sportler sollten nicht nur ein Thema für Sportorga­nisationen sein. Malaysia ist dieses Jahr Partnerland der Berliner Tourismusmesse ITB. Und da geht es nicht nur um Hotels, Hibiskusblüten oder Sambalsauce, sondern um die Hofierung eines antisemitischen und homophoben Regimes. Schon jetzt werben malaysische Regierungsvertreter auf der ITB-Website. Kritik an der Haltung zu Israel, an der Menschenrechtssituation im Land, an Körperstrafen gegen Homosexuelle: alles Fehlanzeige.

Regime, die die Menschenrechte mit Füßen treten, darf man nicht aufwerten und hofieren. Und ein Regime, das Israel und seine Bürger boykottiert, sollte eine klare Antwort erhalten: Boykottiert die Boykotteure! Die Bundesregierung behauptet stets, die Sicherheit und Existenz Israels seien Staatsräson. Wenn das aber einmal etwas kosten könnte oder man Konsequenzen ziehen müsste, entpuppt sich der Satz oft als hohle Phrase. Hier wäre ein Machtwort des Regierenden Bürgermeisters Berlins, Michael Müller (SPD), in Richtung der ITB überfällig. Müllers Staatskanzlei teilte mir nur mit: »Den Dialog und den Austausch abzubrechen, würde nichts an der Lage ändern. Das gilt auch für die ITB.« Diplomatie ist aber nicht Gesprächstherapie: Wer Haltung zeigen will, muss auch Mut zu Konsequenzen haben.