Kritische Astrologie - Die Identität und ihre Macht über unser Leben

Die Zukunft des Endes der Geschichte

Kolumne Von

Das Ende vom Ende ist leider kein Anfang. Die ebenso oft zitierte wie widerlegte These vom »Ende der ­Geschichte« nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Blocks versprach eine Besserung des allgemeinen Lebensstandards durch fortschreitende kapitalistische Gesellschaftsentwicklung, die uns alle ­irgendwie ideologiefreier, hedonistischer und entspannter machen würde – so jedenfalls der Astrologenkollege Francis Fukuyama Anfang der Neunziger. In der jetzigen verfahrenen Lage soll sich die orientierungslose Menschheit an den guten alten Leitstern der Nation halten, rät Fukuyama. Die Geschichte hörte leider nicht auf, aber sie ging auch nicht richtig weiter. Nach Betrachtung aller Gegebenheiten, Chronometer und stellarer Einflüsse können wir heute feststellen, dass der Planet seit Jahrzehnten in einer Art Zeitschleife feststeckt, genauer gesagt an einem Mittwochnachmittag im Mai 1974, kurz nach dem Mittagsschläfchen. Das heißt es gibt schon noch eine Zukunft und eine Geschichte, aber beide bringen nur Wiederholungen.

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Ein gutes Beispiel ist die nun wieder anlaufende Serie »Game of Thrones«, die zunächst von einer komplexen politischen Welt erzählt, in der es nur moralische Graustufen und auch keine narrative Eindeutigkeit mehr gibt: Es gibt keine Haupt­figur, alle können jederzeit sterben. Diese komplizierte Welt wird aber gerade durch die Rückkehr der Magie, des Wunders, kurz: der Geschichte, tatsächlich viel eindeutiger, langweiliger und vorhersehbarer. Plötzlich gibt es eine Heldin und eine fiese Königin; die ständig wechselnden Bündnisse zerrütteter Herrscherhäuser werden zu Allianzen der Guten wider die Bösen, und die wirklich wichtigen Figuren können plötzlich nicht mehr sterben. Das Wunder, das Übernatürliche banalisiert alles; der Wiedereintritt der Geschichte wiederholt nur die längst überholten Muster; Geschichte selbst wird zum erregten Stillstand. Bei »Game of Thrones« funktionieren plötzlich auch Prophezeiungen wieder – wie auch anders? Die Prophetie ist ja nur nach vorne gerichtete Geschichtsschreibung. Für die Astrologie werden es deshalb gute Jahre – für alle anderen wird es nur ein niemals endendes Staffelfinale.