Bitte nicht füttern - Empfängnisverhütung bei Hunden

Hot Dog

Kolumne Von

Über Empfängnisverhütung Bescheid zu wissen, ist bekanntlich wichtig. Hunde haben davon leider keine Ahnung. Eine läufige Hündin gilt daherlaufenden Rüden als gefügiges Fickobjekt, über die möglichen Folgen von schnellem Sex haben sie sich noch nie Gedanken gemacht. Hätte für sie ja auch keine. Aber auch die Hündinnen, die in den ersten Tagen ihrer Läufigkeit, auch »Hitze« genannt, übergriffige Rüden noch wegbeißen, strecken schon bald gedankenlos jedem notgeilen Köter willig ihr leuchtendes Hinterteil entgegen. Nun gut, es sind Hunde! So sind sie eben.

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Rüdenbesitzer entwickeln schnell ein Gespür dafür, wann eine Hündin, der sie beim Gassigehen be­gegnen, also zum Beispiel die kleine Coco, läufig ist. Sie merken es an ihrem eigenen Hund, der es auf 100 Meter spüren kann – noch vor Coco selbst. Sofort will der Rüde nur noch das Eine. Und sage keiner, dass es da um den Charakter oder auch nur das Aussehen der süßen Coco gehe, also überhaupt um das Individuum. Nix da. Was läufig ist, wird gefickt. Punkt.

Da die Viecher nicht aufpassen, müssen dies die Hundebesitzer tun, und zwar nicht nur die von ­Hündinnen. Sie müssen sozusagen miteinander die Empfängnisverhütung planen. Konkret bedeutet das zum Beispiel: Panisch und mit Gewalt das eigene wild zappelnde Tier an der Leine reißen, zwischen den Füßen schützen oder im schlimmsten Fall auf den Arm nehmen und den anderen Hund wegtreten. Im Notfall! Im Normalfall macht man größtmögliche Bögen um andere Hunde, ruft schon von Weitem allen fremden Leuten mit Vierbeinern entgegen »Achtung, sie ist läufig!«, und die arme Coco darf drei Wochen draußen nicht ohne Leine laufen, nicht einmal auf dem Hundeplatz. Da am wenigsten.

Was aber, wenn es doch zu einer ungewollten Schwangerschaft, oder, wie es bei Hunden heißt, zu einem »ungewolltem Deckakt« kommt? Es ist wie bei Menschen: Den Schlamassel hat das Weibchen, aber blechen muss meist der Typ. Die Kosten für eine Abtreibung, bei einer Zuchthündin für den »Zuchtausfall«, beziehungsweise die Aufzucht der Welpen nennt man »Deckschaden«, und den hat der Rüde zu zahlen, genaugenommen natürlich sein Halter oder seine Halterin. Anders als beim Menschen greift hier ­allerdings die Haftpflichtversicherung.

Cocos erste Läufigkeit haben wir zwar nicht unbefleckt – Blut musste fließen –, aber doch ungedeckt überstanden. Nur einmal hat Coco in der Zeit, als die Hormone tanzten, selbst Rüde gespielt und versucht, einen anderen Hund zu rammeln, nämlich ihre beste Freundin, ebenfalls eine Hündin. Ich frage mich, woher sie das hatte. Sie hat noch nie Tiere bei der Begattung gesehen. Außer: Am Abend vorher lief im Fernsehen ein Tierfilm über Löwen, da gab es natürlich auch Sex, und Coco saß vor der Glotze. Da können wir aber froh sein, dass nicht »American Werewolf« gezeigt wurde.