Homestory

Homestory #13

Was machen eigentlich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Ihrer Lieblingszeitung am Wochenende? Das mögen Sie sich fragen, wenn Sie die aktuelle Ausgabe bis Freitagmorgen schon komplett durchgelesen haben – inklusive Impressum –, sich gefreut, geärgert und was Neues gelernt und dann immer noch nicht genug haben. Und auch wenn Ihnen total egal sein sollte, was die Leute von der Jungle World in ihrer Freizeit tun – wir verraten es trotzdem, damit Sie denken, wir wären cool und hätten Spaß und ein Sozialleben. Wenn die Leute von der Jungle World am Wochenende nicht fleißig weiter an Artikeln arbeiten, mühsam viel zu lange Interviews »eindampfen«, wie es so schön im hiesigen Jargon heißt, oder Sonderaufträge für den Mossad ausführen, feiern sie, als gäbe es keinen Montagmorgen.
Vergangenes Wochenende ging es in Berlin zu einer Purim-Party, deren Medienpartnerin die Jungle World war – denn was gibt es Schöneres als fröhliche Juden in fragwürdigen Kostümen? Falls Sie mit der Geschichte und den Gepflogenheiten des jüdischen Fests nicht ganz vertraut sind, hier das Wichtigste in Kürze: Wieder einmal hatte jemand (Haman, ein Bediensteter des persischen Königs Ahasveros/Xerxes) Lust, alle Jüdinnen und Juden zu ermorden. Doch das wurde zum Glück verhindert (durch Königin Ester, die Frau von Ahasveros, und ihren Cousin Mordechai) – ein Grund zum Feiern! Das Ganze wurde auf besagter Purim-Party für die nicht ganz Tanachfesten wunderbar als Drag-Performance nachgespielt.

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Sonst an Purim wichtig: Lärm machen, wenn bei der Lesung des Buches Ester der Name Haman fällt, sich gegenseitig Geschenke machen, Arme beschenken, so viel trinken, bis man »nicht mehr unterscheiden kann zwischen ›Verflucht sei Haman‹ und ›Gelobt sei Mordechai‹«. Die zudem üblichen Gebete hat die Jungle World-Purim-Crew lieber weggelassen, sich sonst aber streng an die Pflichten gehalten: vorsichtshalber immer Lärm machen, Bier und Gin Tonic ausgeben, Geld für den Eintritt und Getränkemarken für Abgebrannte bereitstellen und ein nach Spülmittel schmeckendes Gebräu mit »36 israelischen Kräutern« (Tubi 60) herunterkippen. Verkleiden gehört auch dazu, da selbst Gott sich womöglich zu Purim verkleidet habe, so die Story. Die meisten Kostüme auf der Party changierten zwischen sexy, bunt und bescheuert, doch auch schnell besorgte Identitätspolitiklinke hätten ihre Freude gehabt, gab es doch einige »Indianer« mit Federschmuck, »Araber« mit Kufiya, »Inderinnen« mit Bindi und Afroperückenträger – oder waren das »Jewfros«? So ganz ließ sich das irgendwann nicht mehr unterscheiden. L’Chaim!