Islamismusexpertin Sigrid Herrmann-Marschall im Gespräch

Ein böser Verdacht

Im Netz kursiert das Gerücht, die Islamismusexpertin Sigrid Herrmann-Marschall arbeite mit der AfD zusammen. Wir haben mit ihr gesprochen.

Im Internet kursieren etliche Behauptungen über Ihre Person, beispielsweise: »Biologin begutachtet Muslime für die AfD«. Sind Sie überhaupt Biologin?
Ja, ich bin Diplombiologin. Das Studium ist aber lange her.

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Wie kamen Sie zur Beschäftigung mit dem Islamismus?
Ich habe lange im Patienten- und Verbraucherschutz gearbeitet. Danach war ich in der Sektenarbeit. 2006 habe ich begonnen, mich für den Bereich Islamismus zu interessieren, auch weil ich als langjähriges SPD-Mitglied in der Offenbacher Kommunalpolitik gesehen habe: Es geht etwas schief, da werden Kinder und Jugendliche an bestimmten Einrichtungen der Stadt in einer Weise beeinflusst, die schlecht für sie ist.

Die Feststellung, Sie seien Biologin, ist also richtig. Wie steht es mit der Behauptung, Sie seien für die AfD tätig gewesen?
Das ist falsch. Ich bin als Kritikerin der islamischen Ahmadiyya-­Gemeinschaft bekannt, ich halte sie für binnentotalitär, sie betreibt eine rigide Geschlechtertrennung. Im Herbst wurde ich gefragt, ob ich ein Gutachten für den nordrhein-westfälischen Landtag anfertigen könne zur Frage, ob die Ahmadiyya eine Körperschaft des öffentlichen Rechts werden soll. Ich habe abgelehnt, weil die Anfrage von der AfD kam. Die Gutachterin, die den Auftrag übernahm, wurde dann einen Tag vor der parlamentarischen Anhörung krank. Daraufhin wurde ich gefragt, ob ich dem zuständigen Landtagsausschuss, also Abgeordneten aller Parteien, ersatzweise Rede und Antwort stehen könne. Ich bin ins Thema eingearbeitet und war deshalb dazu bereit. Im Wortprotokoll dieser Sitzung kann man nachlesen, dass ich bereits am Anfang gesagt habe, dass ich einen anderen Ansatz verfolge, wenn ich auch zu einem ähnlichen Ergebnis komme. Da steht klar drin, dass ich nicht die Gutachterin der AfD bin. Ich stand allen Abgeordneten zur Verfügung, nicht exklusiv der AfD. Die Aufwandsentschädigung hat mir der Landtag gezahlt, nicht die AfD. Dennoch wird mir im Nachhinein ein Strick aus der Sache gedreht.

Was ist Ihnen über das Blog bekannt, der den Artikel über Ihre vermeintlichen Verbindungen zur AfD in Umlauf gebracht hat?
Das Blog wurde eigens gegen mich eingerichtet. Das sieht man schon an der Web-Adresse: fanf1848. Sie ist meiner Blog-Adresse vunv1863.wordpress.com nachempfunden. Der Betreiber des Blogs, Joachim Werner Münch, ist ein Vereinskollege von Mohammed Khallouk, eines stellvertretenden Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime. Khallouk war Pressesprecher des Deutsch-Islamischen Vereinsverbands. Ich habe 2016 dafür gesorgt, dass dieser Vereinsverband, an dem Muslimbrüder und Salafisten beteiligt sind, von der öffentlichen Förderung ausgeschlossen und unter Beobachtung des hessischen Verfassungsschutzes gestellt wurde. Kurz danach wurde das Blog ins Leben gerufen.

Und in welchem Verein sind Khallouk und Münch Kollegen?
Münch gehört zum Verein Double Critique, dessen Vorsitzender Khallouk ist. Double Critique war früher im Deutsch-Islamischen Vereinsverband organisiert.

Hat diese Online-Kampagne gegen Sie auch Auswirkungen ­außerhalb des Internet?
Wie es mit solchen Diffamierungen eben ist: Man merkt vordergründig erst einmal nichts. Aber vielleicht werden beispielsweise Fortbildungen storniert, die ich hätte leiten sollen, weil eben doch ­irgendwo ein falscher Verdacht hängenbleibt.