Homestory #28

In unserer Redaktion gibt es leider keine niedlichen Haustiere. Dafür wird unsere Klimaanlage vermutlich bald Bundeskanzler.

Kürzlich war an dieser Stelle zu lesen, dass die für den heißesten Redaktionsraum der Jungle World angeschaffte Klimaanlage in ­Ermangelung eines Zusatzteils außer Betrieb sei. Gerade noch rechtzeitig vor Beginn der großen Hitzewelle hatte dann ein Kollege kurz entschlossen den nächsten Baumarkt aufgesucht, das fehlende Teil zu einem völlig überhöhten Preis erstanden und so doch noch den sicheren Hitzekoller bei der Arbeit verhindert. Pünktlich zum Klettern der Quecksilbersäule – nein, das ist kein schiefes Sprachbild, es existiert tatsächlich noch ein derartig altmodisches Thermometer in den Räumen der Jungle World – in Richtung 40-Grad-Marke konnte Robert endlich seine Arbeit aufnehmen.

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Robert? Ja, Robert. Es war doch klar, dass eine hübsche kleine, futuristisch aussehende Klimaanlage, die entfernt an den niedlichen kleinen Roboter R2D2 aus dem Star-Wars-Universum erinnert, einen Namen braucht. Zumal es in den Räumen der Jungle World keine Haustiere gibt. Ohnehin haben es die meisten Mitglieder des Kollektivs nicht so mit der Haltung von Haustieren. Ein Kollege hat höchstens eine Spinne in der Wohnung, das Verhältnis zu ihr ist aber nicht so eng, dass sie auch noch einen Namen bekommen hätte. Ansonsten gibt es noch eine Katze – die »beste Katze überhaupt«, wie ihre Besitzerin stolz erklärt, sie trage nämlich Toupet und Moustache. Ja doch, das eilig herausgesuchte Beweisfoto lässt unter Zuhilfenahme von viel Phantasie entsprechende Attribute erahnen. Ein Kollege berichtet von einem »sehr süßen Hund« in seiner WG, während ein anderer Kollege seinen »alten, weißen Hund« hegt und pflegt, der in der Rentnerspirale gefangen sei – er schleppe sich unverzagt von Krankheit zu Krankheit. Das war es aber auch schon.

Doch es bleibt dabei, in den Redaktionsräumen gibt es keine niedlichen Tierchen. Da muss wenigstens die Klimaanlage subjektiviert werden. Sie sei »Pro Klima«, hat sie sich – nein, nicht auf die Fahnen geschrieben, aber auf ihren kleinen Roboterkörper schreiben lassen. Gutaussehend und fürs Klima (welches auch immer) – ­irgendwie lag es da nahe, sich beim Vorsitzenden einer Partei zu bedienen, die auch voll »Pro Klima« ist und der mittlerweile viele nachsagen, dass sie mit Robert – also ihrem Vorsitzenden, nicht unserer Klimaanlage – den nächsten Bundeskanzler stellen wird. Gut, wir hätten das Gerät natürlich auch Annalena taufen können. Aber aus Gründen der Geschlechtergerechtigkeit ist es sicher nur fair, wenn endlich auch mal ein Mann im Haus die niederen Arbeiten verrichtet.

Seit etwa einer Woche jedoch macht Robert keinen Mucks mehr. Dafür freilich gibt es eine einfach und undramatische Erklärung: Die Hitzewelle ist erst einmal vorbei. Robert ist wieder außer Betrieb, er darf Pause machen.

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