Die preisgekrönte Reportage

»Exkremente an der Schuhsohle der Menschheit«

Zu Besuch bei Juan M., der einen Fälschungsskandal aufdeckte.
Kolumne Von

Sie haben einen der größten Fälscherskandale der jüngeren Geschichte aufgedeckt. Wie wurden Sie auf die Sache aufmerksam?
Also ich tu ja Olivenöl an alles. An alles! An den Salat, an mein Steak …auch mal übers Eis. Einfach ein paar Tropfen Olivenöl übers Eis, und ein bisschen Salz … Olivenöl, hmmm. So kalt gepresst, wie es geht. Und feurig muss es sein, feurig! Es muss perlen auf der Zunge. Manchmal nehme ich auch ein paar Tropfen Olivenöl ins Badewasser. Der beste Badezusatz. Meine Haut ist dann so weich … weich und feurig! Oder auch mal in die Waschmaschine. Die Wäsche duftet dann so, hmm. Nicht irgendein Öl, nicht aus dem Supermarkt. Ich habe da diesen alten Meister in Ligurien. Ja, wir pilgern da jeden Sommer hin, in weißen Gewändern. Virgine, jungfräulich, heißt das ja ursprünglich. Hmmmmhmm …

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Können Sie ein Beispiel nennen?
Feurig und kalt und unschuldig, wie ein Mädchen in der Blüte seiner Jahre. Wenn ich dann höre, dass jetzt gefälschtes Olivenöl im Umlauf ist, dann wird mir anders.

Inwiefern?
Ganz anders wird mir. Richtig übel wird mir dann. Dann trinke ich erst mal ein Glas Olivenöl, zur Beruhigung. Ölfälscher, was sind das für Menschen? Was für Abschaum, was für Exkremente an der Schuhsohle der Menschheit? Oft male ich mir aus, so einen Verbrecher zu nehmen und ihn in eine Olivenpresse zu stecken. Und dann wird er ganz langsam kaltgepresst. Dann kommt sie ihm heraus, die reine Essenz. Alles, was gut an ihm war, was unschuldig war, kommt heraus. Und der korrupte Rest bleibt zurück. Ich tue es übers Müsli und mische es meinen Kindern in den Tee. Olivenöl. Ahahaha, nein, ich könnte keinem Menschen was antun. Aber für 16,99 kann ich doch ein bisschen Sorgfalt erwarten, nicht? Ein bisschen Mühe. Ich gebe mir doch auch Mühe, beim Schreiben und beim Recherchieren und an der Presse. Wir alle sollten uns mehr Mühe geben. Und entspannen! Bei richtig gutem Olivenöl.

Herr M., wir danken für das ­Gespräch.

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