Der Kampf iranischer Frauen gegen ihr Stadionverbot

Für Frauen verboten

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Ob Khodayaris öffentlichkeitswirksamer Suizid mit der psychischen Erkrankung zusammenhängt wegen derer sie in Behandlung war, ob er ein Akt des Protests war oder aus Angst vor einer Haftstrafe erfolgte, ist nicht bekannt. Sicher ist, dass die junge Frau nach ihrer Verhaftung bereits zwei Tage im gefürchteten Frauengefängnis Qarchak gesessen hatte. Auch Zahra von Open Stadiums erwähnt das »schreckliche Gefängnis« und verweist im Zusammenhang mit den Protesten von ihrer Gruppe auf unmenschliche Haftbedingungen und sexuelle Übergriffe auf Insassinnen. In Gefängnissen werden des Öfteren Frauen vergewaltigt. Es gibt Berichte von Fällen, in denen islamische Kleriker zwangsweise »Zeitehen« zwischen den weiblichen Insassinnen und Mitgliedern der iranischen Revolutionsgarde schlossen, um eine Vergewaltigung vor einer Hinrichtung zu legitimieren – dies auch, weil die zum Tode Verurteilten Jungfrauen waren und gemäß der Sharia nicht hätten hingerichtet werden dürfen.

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Nicht nur aus diesem Grund setzen sich viele Frauen gegen die islamische Sitten- und Moralpolizei und andere iranische Institutionen zur Wehr, doch das repressive Regime zeigt sich unbeeindruckt. Erst kürzlich wurde bekannt, dass die iranische Regierung 2.000 neue Moralpolizistinnen und -polizisten rekru­tieren will, um der Aufweichung des Verschleierungsgebots und dem Widerstand iranischer Feministinnen gegen die Zwangsverschleierung zu begegnen. Diese erhalten immer mehr Unterstützung auch von iranischen Männern.

Zahra sagt, dass die Mehrheit der Gesellschaft in der Frage des Stadionverbots für Frauen schon lange eine Aufhebung befürworte, und mahnt: »Bitte vergesst nicht, dass iranische Fans niemals ihr Leben wegen etwas so Einfachem wie Freude am Fußball verlieren sollten.« Es ist eine einfache Freude, weltweit ist der wöchentliche Stadionbesuch für Millionen Menschen selbstverständlich. Doch so simpel diese Freude ist, im Iran ist sie symbolträchtig. Denn der Kampf um die Aufhebung des Stadionverbots ist dort immer auch ein Teil des Kampfes um allgemeine Frauenrechte.

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