Buch - Cornelia Koppetschs »Die ­Gesellschaft des Zorns«

Querfront der Verlierer

In ihrem Buch »Die Gesellschaft des Zorns« stellt die Soziologin Cornelia Koppetsch die These auf, dass der Rechtspopulismus eine Bewegung sei, die sich gegen eine weitgehend transnational agierende Ökonomie richte. Die Unterstützer rechtspo­pulistischer Parteien bildeten eine Querfront der Verlierer, die zwar ­heterogen, aber durch ihre Ablehnung der globalisierten Welt geeint sei. Für ihre Analyse greift sie auf das von Pierre Bourdieu entwickelte Konzept des »sozialen Raums« zurück, um einen symbolischen Klassenkampf zu skizzieren. Die durch die Globalisierung hervorgerufene Transformation habe eine neue progressive, neoliberale Klasse entstehen lassen, die Trägerin einer kosmopolitischen Kultur sei und von der Globalisierung profitiere. Verschiedene Milieus machten jedoch durch die gesellschaftlichen Umbrüche die Erfahrung, abgehängt zu werden. Mit der Wahl rechtspopulistischer Parteien rebellierten sie ­dagegen.

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Empfänglich für den Rechtspopulismus sind demnach alle, die im Zuge der Globalisierung das Gefühl haben, an gesellschaftlichem Einfluss, sowohl in kultureller wie in ökonomischer Hinsicht, verloren zu haben. Koppetsch behauptet, dass im reaktionären ­Ressentiment gegen Migranten und die »kosmopolitischen Eliten« auch durchaus legitime Bedürfnisse nach Sicherheit und Anerkennung zum Ausdruck kämen. Dass rechtspopulistische Parteien zu wählen, auch eine bewusste Unterstützung der extremen Rechten und ihrer autoritären Ideologie darstellt, bleibt bei ihr weitgehend unberücksichtigt. Zudem gibt sie den kosmopolitischen Eliten mit ihrem angeblich exklusiven Lebensstil samt Diversity, Liberalismus und linker Identitätspolitik eine gewisse Mitschuld am Aufstieg rechter Parteien. Mit dieser Polemik gegen die von ihr nicht klar definierte Gruppe der Kosmopoliten begibt sich die Autorin, in der Absicht eine soziologische Erklärung zu liefern, unfreiwillig ins Fahrwasser rechtspopulis­ti­scher Diskurse und reproduziert das rechte Feindbild des bösen Kosmopoliten.

Cornelia Koppetsch: Die Gesellschaft des Zorns. Rechtspopu­lismus im globalen Zeitalter. Transcript-Verlag, Bielefeld 2019, 19,99 Euro