Rechter Alltag in Deutschland

Deutsches Haus #1/2020

Protokoll rassistischer und antisemitischer Übergriffe.

Am Abend des 21. Dezember verfolgten in Halle (Sachsen-Anhalt) fünf Männer eine Gruppe Jugendlicher und riefen dabei rassistische Parolen. Die Jugendlichen, von ­denen drei aus Syrien stammen, konnten zunächst fliehen. Als die Täter sie wieder aufgestöbert hatten, raubten sie ein Handy und verletzten zwei 15jährige, die ambulant im Krankenhaus behandelt werden mussten. Die Polizei stellte einen der mutmaßlichen Täter auf dem örtlichen Weihnachtsmarkt. Der 36jährige versuchte, die Feststellung seiner Personalien zu verhindern. Ihm mussten Handschellen angelegt werden. Einem Bericht der Mitteldeutschen Zeitung zufolge ermittelt der Staatsschutz. Am selben Abend grölten in Goslar (Niedersachsen) zwei alkoholisierte Männer im Alter von 19 und 28 Jahren in der Innenstadt Naziparolen. Nach Angaben der Polizei wird wegen Volksverhetzung ermittelt. In Brandenburg an der Havel (Brandenburg) grölte am 19. Dezember um die Mittagszeit ein alkoholisierter Mann rechtsextreme Parolen in einer Straßenbahn. Wie die Märkische Allgemeine berichtete, ­informierten der Fahrer und Fahrgäste die Polizei. Diese nahm den 35jährigen fest. Die Kriminalpolizei ermittelt. Wie die B.Z. berichtete, griffen am selben Tag drei Schüler im Berliner Ortsteil Marienfelde einen 14jährigen an, nachdem sie sich aus dem Sportunterricht ­geschlichen hatten. »Was haben wir denn hier für einen Juden? Ab mit Dir ins KZ!« sollen die Täter zu dem Angegriffenen gesagt ­haben. Die drei Jugendlichen fesselten den 14jährigen mit Bändern aus dem Sportunterricht und würgten ihn. Der Angegriffene soll kein Jude sein. Der Staatsschutz ermittelt. In Rathenow (Brandenburg) wurden am Abend desselben Tags die gegen den SV Babelsberg 03 gerichtete antisemitische Schmiererei »Juden 03« entdeckt. Ein mutmaßlicher Ultra des FSV Optik Rathenow soll sie in einer Unterführung hinterlassen haben. Ingo Kahlisch, der Trainer des FSV Optik Rathenow, sagte der Märkischen Allgemeinen, der Täter sei bereits ermittelt. Die Ultras der Rathenower Mannschaft waren bereits in der Vergangenheit mit rechtsextremen und antisemitischen Parolen gegen den SV Babelsberg 03 aufgefallen. Am Morgen des 17. Dezember wurden im Berliner Ortsteil Westend antisemitische Parolen am Denkmal für die Opfer der NS-Militärjustiz entdeckt. Einem Bericht des Tagesspiegel zufolge zerstörten Unbekannte die Plaketten des aus hundert Verkehrsspiegeln bestehenden Denkmals und hinterließen Hakenkreuze. Das Denkmal erinnert an über 230 Wehrdienstverweigerer, Deserteure und Befehlsverweigerer, die zwischen August 1944 und April 1945 von Nazis am Murellenberg erschossen wurden. Der Staatsschutz hat Ermittlungen aufgenommen.

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