Rechter Alltag in Deutschland

Deutsches Haus #2/2020

Protokoll rassistischer und antisemitischer Übergriffe

Am 2. Januar beleidigten einem Bericht von RBB24 zufolge im Berliner Ortsteil Neukölln drei Männer in der Buslinie M29 einen anderen Fahrgast wegen dessen Hautfarbe auf rassistische Weise. Nachdem alle vier an der Haltestelle Pflügerstraße ausgestiegen waren, brachte das Trio sein Opfer zu Boden. Zwei der drei Männer traten mehrfach auf den Angegriffenen ein. Als Zeuginnen die Täter ansprachen, flohen diese. Der Staatsschutz ermittelt.

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Am Abend des 1. Januar beleidigte nach Angaben der Polizei ein Unbekannter eine Frau im Berliner Ortsteil Tempelhof auf rassistische Weise. Auf dem Weg zur U-Bahn in der Station Kaiserin-Augusta-Straße stellte er sich der 32jährigen und ihrem sechs Monate alten Sohn in den Weg. Als sie den Mann aufforderte, dies zu unterlassen, wurde er aggressiv. Er floh, nachdem ein Zeuge der Frau Unterstützung angeboten hatte. Der Staatsschutz hat Ermittlungen aufgenommen.

In der Silvesternacht brüllte in Erfurt (Thüringen) ein 34jähriger rechtsextreme Parolen, wie die DPA meldete. Als ihn Polizisten darauf ansprachen, richtete der alkoholisierte Mann eine Schreckschusspistole auf die Beamten. Diese überwältigten ihn und nahmen ihn in Gewahrsam. Die Polizei ermittelt wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, Bedrohung, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte sowie Verstoßes gegen das Waffengesetz.

Am Abend des 30. Dezember beleidigten im Stadtzentrum von Chemnitz (Sachsen) zwei 32jährige und ein 44jähriger in einem Lokal einen aus Somalia stammenden Mitarbeiter lautstark auf rassistische Weise. Einer der Männer rief dem 19jährigen »Sieg Heil« zu und zeigte den Hitlergruß. Wie die Freie Presse berichtete, verließen die mutmaßlichen Täter nach Aufforderung nur zögerlich das Lokal. Die von Zeugen gerufene Polizei nahm sie in der Nähe der Gaststätte fest. Der Staatsschutz ermittelt.

In der Nacht zum 30. Dezember warfen zwei Männer auf dem Jüdischen Friedhof in Geilenkirchen (Nordrhein-Westfalen) Grabsteine um und besprühten einige von ihnen mit blauer Farbe. Die mutmaßlichen Täter im Alter von 21 beziehungsweise 33 Jahren trugen Sturmhauben. Sie wurden in der Nähe des Friedhofs gefasst, nachdem ein Zeuge die Polizei gerufen hatte. Nach Informationen der Bild-Zeitung handelt es sich um Rechtsextreme aus der nahegelegenen Kleinstadt Gangelt. Der Staatsschutz ermittelt.