Die west- und zentralafrikanische Währung CFA-Franc soll ersetzt werden

Neues Geld, alte Probleme

Die in West- und Zentralafrika verbreitete, an den Euro gekoppelte Währung CFA-Franc könnte demnächst durch eine andere ersetzt werden. Manche erhoffen sich dadurch die Minderung neokolonialer Abhängigkeiten. Andere kritisieren, dass sich die grundlegenden ökonomischen Beziehungen nicht ändern.

Kritischen Beobachtern gelten sie als Symbol neokolonialer Sonderbeziehungen auf dem afrikanischen Kontinent: die Währungsunion vieler afrikanischer Staaten mit Frankreich samt der gemeinsamen Währung, dem CFA-Franc (Jungle World 21/2012). Dieser soll ab­geschafft werden. Das Kürzel CFA stand ursprünglich, in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg, für »Colonies Françaises d’Afrique« (»Französische Kolonien Afrikas«). In den Sechzigern stand es dann in Westafrika offiziell für »Communauté Financière en Afrique« (Finanzgemeinschaft in Afrika), in ­Zentralafrika für »Coopération Financière en Afrique centrale« (Finanzkoope­ration im zentralen Afrika). Der CFA-Franc besteht aus zwei komplementären, über Frankreich miteinander verkoppelten Währungssystemen, der zentralafrikanischen und der westafrikanischen Wirtschafts- und Währungsunion.

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Auch nach der Umbenennung nahmen französische Entscheidungsträger eine Schlüsselrolle bei allen wichtigen Beschlüssen zur Finanz- und Geldpolitik im Währungsraum des CFA-Franc ein. Dieser wurde bislang von zwei Zentralbanken verwaltet, einer in der senegalesischen Hauptstadt Dakar für Westafrika und einer in der kamerunischen Hauptstadt Yaoundé für Zentralafrika. Den Aufsichtsräten der beiden Zentralbanken gehören französische Aufsichtsräte neben jenen der jeweiligen Mitgliedsländer an. Ursprünglich drei Viertel, später die Hälfte der Währungsreserven und Deviseneinlagen beider Banken mussten bisher bei der französischen Zentralbank, der Banque de France, eingelagert werden. Die Geldscheine und Münzen wurden und ­werden in Frankreich hergestellt, in einer Druckerei in Chamalières in der Auvergne.
Die beiden Unterwährungen des CFA-Franc, der CFA-Franc BEAC und der CFA-Franc BCEAO, sind bislang nach einem fixen Wechselkurs frei in Euro konvertierbar. Ab 1994 betrug der Wechselkurs 100 CFA-Francs für einen französischen Franc, zurzeit sind es 656,22 CFA-Francs für einen Euro. Dies erleichtert den Abfluss von Gewinnen aus Afrika in Richtung Frankreich oder ­Europa erheblich, denn es besteht kein Umtauschrisiko infolge schwankender Wechselkurse.

Am 21. Dezember kündigten französische Medien für Außenstehende relativ überraschend das Ende dieser postkolonialen Sonderwährung an. Kurz darauf präzisierten dieselben Medien allerdings, es handele sich eher um eine »Reform« als um eine »Ersetzung«. Der Ankündigung liegt eine prinzipielle Vereinbarung zwischen der französischen Regierung und den Mitgliedsstaaten der westafrikanischen Zentralbank in Dakar zugrunde. Die Länder der Westafrikanischen Wirtschafts- und Währungsunion (UEMOA) hatten vor mehreren Jahren beschlossen, sich ab 2020 aus der Währungsunion mit Frankreich zu lösen. Die offizielle Absichtserklärung erfolgte auf einer gemeinsamen Pressekonferenz des französischen Präsidenten Emmanuel Macron mit seinem Amtskollegen Alassane Ouattara beim Staatsbesuch in der westafrikanischen Côte d’Ivoire. Ouattara kann kaum als Kritiker der französischen neokolonialen Einflusspolitik in Afrika ­gelten. Er war im April 2011 unter anderem dank eines Einsatzes der französischen Armee ins Amt gekommen. Nach den Wahlen 2010 war es zu einem Bürgerkrieg gekommen, in dem zahlreiche Menschenrechtsverletzungen verübt wurden, nachdem Ouattaras Vorgänger Laurent Gbagbo seine Wahlniederlage nicht anerkannt hatte. Die UN und Frankreich hatten in dem Konflikt interveniert, Gbagbo wurde schließlich im Beisein französischer Soldaten festgenommen.

Den bisherigen Ankündigungen zufolge soll der CFA-Franc in der UEMOA ab Juni 2020 einer neuen Währung Platz machen, dem »Eco«. Frankreich soll seine bisherigen Vertreter aus dem Aufsichtsrat der Zentralbank für die westafrikanischen Länder abziehen. Dies könnte eine Beteiligung der beiden stärksten Ökonomien im westlichen Afrika ermöglichen, der ehemaligen britischen Kolonien Nigeria und Ghana. Beide Länder sind an den bisherigen Entscheidungsprozessen nicht beteiligt, haben jedoch prinzipielles Interesse an einer gemeinsamen Währung bekundet. Vor allem Nigeria stellte dafür jedoch Bedingungen. Ob diese zur Gänze oder auch nur teilweise erfüllt werden, ist derzeit noch unklar. Zu den ursprünglichen Bedingungen Nigerias, das mit Abstand die meisten Einwohner und die stärkste Wirtschaft im westlichen Afrika hat, zählten die Abkehr von der Bezeichnung CFA-Franc und der Ausschluss französischer Aufsichtsräte aus der Zentralbank. Zumindest diese Bedingungen dürften erfüllt werden.

Nigerias Regierung wünscht jedoch auch, dass Devisen nicht mehr in Frankreich hinterlegt werden müssen und dass die neue Währung neben dem Euro auch mit anderen Währungen, zumindest dem US-Dollar, konvertibel sein muss. Dies soll ohne Rückbezug auf den ehemaligen französischen Franc möglich sein, der zu diesem Zweck bisher virtuell aufrechterhalten wurde.

Vor kurzem wurde in Westafrika noch gefordert, die Schaffung einer neue Währung müsse mit dem Aufgeben des festen Wechselkurses zwischen dem CFA-Franc und dem Euro einhergehen. Bei der offiziellen Verkündung des Beschlusses am 21. Dezember durch Ouattara war davon jedoch nicht mehr die Rede.

In sozialen und manchen regionalen Medien wird derzeit häufig gemutmaßt, der Wechselkurs könnte künftig 1 200 Eco für einen Euro betragen, die Währung also abgewertet werden. Ähnlich geschah dies bei der einseitig von Frankreich beschlossenen Abwertung des CFA-Franc im Jahr 1994 um die Hälfte, was in den betroffenen afrikanischen Ländern alle Importgüter verteuerte. Zuvor hatten jedoch afrikanische Nachbarländer ihre Währungen mehrfach abgewertet.

Ob der Eco wirklich kommt und was dies bedeuten würde, wird derzeit ­kontrovers diskutiert. Der in Frankreich und Afrika tätige Wirtschaftsanwalt ­Boris Martor etwa begrüßte die »histo­rische Entscheidung«. Dagegen schreibt der auf afrikanische Ökonomien spezialisierte Publizist Loup Viallet, der Eco werde – aus Sicht der betroffenen ­Länder – »noch schlimmer als der CFA-Franc«, da ihm kein gemeinsamer Markt als ökonomische Basis zugrunde liege, sondern die jeweiligen Länder weiterhin auf den Export ausgerichtet blieben. Kamerunische Wirtschaftswissenschaftler wie Dieudonné Essomba formulierten ähnli­che Bedenken. Es sei entscheidend, dass jenseits einer realen oder vermeintlichen währungspolitischen Souveränität die Weiterver­arbeitung von Rohstoffen an Ort und Stelle stattfindet, anstatt diese überwiegend unverarbeitet zu exportieren. Essombas senegalesischer Kollege Cheikh Tidiane Dieye spricht von einem »politischen Betrug«, der lediglich auf einen Formwandel des CFA-Franc hinauslaufe, um der wachsenden Kritik entgegenzuwirken. In Frankreich bemängeln Beobachter wie die auf französische Afrikapolitik spezialisierte NGO Survie, man suggeriere, dass sich alles ändere, auf dass sich im Kern nichts ändere.