Kuba darf nicht mehr am Baseballturnier Serie del Caribe teilnehmen

Kuba im Out

Die schrittweise Verdrängung Kubas aus der Serie del Caribe ist emotional ein schwerer Schlag für das baseballbegeisterte Land. Es leidet ohnehin stark unter den Sanktionen der US-Regierung.

Seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump im Januar 2017 herrscht wieder Kalter Krieg. Die neue Eiszeit in den Beziehungen zwischen den USA und Kuba hat auch den Sport erreicht: Kuba wurde schrittweise aus der Serie del Caribe gedrängt, der jährlich stattfindenden Meisterschaft von Baseballvereinen aus dem karibischen Raum. Kürzlich wurde bekannt, dass der kubanische Meister beim Turnier im kommenden Jahr im mexikanischen Mazatlán nicht dabei sein soll.

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Bereits in diesem Jahr konnte Kuba keine Vereinsmannschaft zur Serie del Caribe schicken. Als Grund nannte die Baseball-Konföderation der Karibik (CBPC) »Schwierigkeiten bei der Visaerteilung«. Das Turnier fand Anfang Februar in San Juan, Puerto Rico, statt, das als Außengebiet zu den USA gehört. Da die US-Botschaft in Havanna ihre Konsulardienste eingestellt hat, müssen Kubaner US-Visa in anderen Ländern beantragen.

Anfang April 2019 hatte die US-Regierung eine Vereinbarung aufgekündigt, die den modernen Menschenhandel mit kubanischen Sportlern beenden sollte.

Der kubanische Vertreter für die Serie del Caribe stand aber erst nach Beendigung der Ligasaison Ende Januar fest – zu wenig Zeit für die Beantragung von Visa. Kubas Meister, »der als Gast an der Veranstaltung teilnehmen wollte, kann dies aufgrund von Bedingungen, die außerhalb seiner Kontrolle liegen, nicht«, schrieb die CBPC in einer Pressemitteilung. »Obwohl die US-Einwanderungsbehörde über das Generalkonsulat in der Dominikanischen Republik alle Möglichkeiten zur Verfügung gestellt hat, um der kubanischen Delegation, die nach San Juan reisen wollte, die Erledigung der Papiere in Santo Domingo zu ermöglichen, wurde die Visumbeantragung für die kubanische Delegation schwierig, da die Beendigung der Meisterschaft und die Transferlogistik es unwahrscheinlich machten, die Visa vollständig vor Beginn der Veranstaltung in Puerto Rico zu erhalten.«

Der CBPC-Kommissar Juan Francisco Puello Herrera dankte dem US-Generalkonsulat in der Dominikanischen Republik für die »Bemühungen, die besten Voraussetzungen für die Visaerteilung der kubanischen Delegation« zu schaffen. Kuba habe die Möglichkeit, an der Serie del Caribe 2021 in Mazatlán teilzunehmen, hieß es zunächst.

Dies wurde mittlerweile offenbar revidiert – ohne Angabe von Gründen. Das legt den Verdacht nahe, dass die Visamodalitäten nur eine vorgeschobene Begründung gewesen sein könnten. Der kubanische Baseballverband (FCB) hatte genau dies vermutet und früh den Druck der US-Regierung für den faktischen Ausschluss verantwortlich gemacht. Er hatte zudem der CBPC vorgeworfen, die feindselige Haltung der USA gegen Kuba zu teilen, und darauf hingewiesen, dass keiner der teilnehmenden Vereine aus anderen Ländern Probleme mit der Erteilung von Visa hätten. »Mit der Entscheidung gibt der CBPC dem willkürlichen Druck der Regierung der Vereinigten Staaten nach und schließt sich den anderen betrügerischen Aktionen ihres Kommissars an, der auch die Vollmitgliedschaft Kubas in dem genuin karibischen Verband behindert«, hieß es in einer Erklärung des FCB, die von den staatlichen kubanischen Medien veröffentlicht wurde. Kubas Ersatz beim Turnier – in diesem Jahr und wohl auch in Zukunft – kommt aus Kolumbien. Das Land hatte bereits seit längerem den Wunsch bekundet, einen eigenen Verein zu entsenden.

An der Baseballmeisterschaft nehmen auch Vereine aus Mexiko, der Dominikanischen Republik, Puerto Rico und Venezuela teil. Das Turnier gibt es seit 1949, Kuba dominierte es in den Anfangsjahren: Bis 1960 gewannen kubanische Teams siebenmal. Nach der Revolution wurde 1961 die professionelle Baseballliga in Kuba abgeschafft, was zu einem zeitweiligen Ende der Serie del Caribe führte. Erst seit 1970 wird das Turnier wieder ausgetragen, jedoch ohne Kuba.

Eine kubanische Mannschaft nahm 2014 erstmals nach 54 Jahren wieder an der Serie del Caribe teil, ein Resultat der unter dem US-Präsidenten Barack Obama und dem kubanischen Präsidenten Raúl Castro seinerzeit begonnenen Annäherung der jahrzehntelang verfeindeten Staaten. Dies verleiht dem jüngsten Ausschluss eine besondere symbolische Bedeutung. Er passt zu der immer feindseliger werdenden Politik der derzeitigen US-amerikanischen Regierung. Die historische Annäherung während Obamas Präsidentschaft hatte vor allem auf Kuba große Hoffnungen geweckt.

Unter US-Präsident Donald Trump sind die Beziehungen zurzeit so schlecht wie lange nicht. Zwar bestehen die diplomatischen Beziehungen, die Obama wieder aufgenommen hatte, weiterhin, doch Trump verschärft kontinuierlich die Sanktionen: Das Botschaftspersonal wurde so weit reduziert, dass der Konsularservice seit 2017 praktisch ausgesetzt ist; die Reisebeschränkungen für US-Amerikaner wurden wieder verschärft, die Möglichkeiten für Geldüberweisungen eingeschränkt; der Kreuzfahrtschifftourismus wurde unterbunden; Abschnitt III des Helms-Burton-Gesetzes wurde in Kraft gesetzt, somit haben US-Bürger das Recht, ausländische Unternehmen, die verstaatlichten Besitz auf Kuba nutzen, vor US-Gerichten zu verklagen; Öllieferungen nach Kuba wurden mit Sanktionen belegt; zuletzt wurden Flüge aus den USA in alle kubanischen Städte außer Havanna verboten. Das Ziel ist, ausländische Investitionen und den Tourismus auf Kuba zu treffen, also wichtige Devisenquellen.

Anfang April vergangenen Jahres hatte die US-Regierung bereits eine wegweisende Vereinbarung aufgekündigt, die es kubanischen Baseballspielern erlaubt hätte, legal und ohne Umwege in der US-amerikanischen Major League Baseball (MLB) zu spielen (Jungle World 17/2019). Die Übereinkunft zwischen der MLB und Kubas Baseballverband war im Dezember 2018 nach dreijährigen Verhandlungen geschlossen worden. Sie sollte den modernen Menschenhandel mit kubanischen Sportlern beenden.

Das 1996 verabschiedete Helms-Burton-Gesetz untersagt allen US-Unternehmen, also auch der MLB, Geschäfte mit Kuba. Kubanische Spieler müssen deshalb zuerst einen Wohnsitz in einem Drittland annehmen und alle Verbindungen nach Kuba abbrechen, ehe sie von einem US-Club angestellt werden können – eine Regelung, die einzig für kubanische Sportler gilt und dazu führte, dass ein Schwarzmarkt für Spieler entstand, auf dem auch mexikanische Drogenkartelle mitmischen. Nach Ansicht der derzeitigen US-Regierung verstieß die Vereinbarung zwischen den beiden Baseballverbänden gegen US-amerikanische Gesetze, da der kubanische Baseballverband der Regierung unterstehe und deshalb Geschäfte mit ihm verboten seien. Die Regierung Obama hatte noch die Unabhängigkeit des kubanischen Verbands festgestellt und damit den Weg für die Vereinbarung geebnet.

Mit dem Ausschluss aus der Karibikmeisterschaft trifft die neue Isolationspolitik der US-Regierung die Kubaner auch emotional. Baseball ist Nationalsport und – auch wenn zuletzt die Erfolge ausblieben und viele Spieler abgewandert sind – auf Kuba neben Fußball immer noch die schönste Nebensache der Welt. Dementsprechend fielen die Reaktionen aus. »Auch der kubanische Sport wird vom Imperium angegriffen«, twitterte Präsident Miguel Díaz-Canel nach dem Ausschluss. Auch viele Fans in Kuba reagierten verärgert. In den sozialen Medien ist von einem »schmutzigen Trick« des karibischen Verbands die Rede. Dass das dominikanische Team das diesjährige Endspiel im Stadion Hiram Bithorn in San Juan gegen eine Mannschaft aus Venezuela gewann, interessierte in Havanna herzlich wenig.