Backen (fast) ohne Mehl

Tausche Kuchen gegen Mehl

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Gut, es war nicht die beste Idee der Welt, Projekt Blaubeerkuchen ausgerechnet an dem Tag zu starten, an dem Deutschland auf Hamsterfahrt ging. Angefeuert wurde diese durch Fotos von vorgeblich leeren Regalen, die zwar für Späteinkäufer im Falle unfassbar günstiger Angebote ein ­gewohnter Anblick sind, aber dies war wohl für die meisten Panikbereiten nicht der Moment, darüber nachzudenken, warum die Markenpasta auf einem der am weitesten verbreiteten Bilder zwar wirklich weg, die Billignudeln gleich daneben aber noch da waren.

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Nun braucht man für Blaubeerkuchen bedauerlicherweise Mehl, und irgendwer hatte den Deutschen eingeredet, dass es in Krisenzeiten wichtig sei, sehr große Mengen Mehl zu horten, um was auch immer damit zu tun. Weswegen das Mehl am Sonntag alle war. Ebenso wie Pasta. Und Tomaten in Dosen, wohin­gegen die bei einem Discounter augenscheinlich aus der hintersten Lagerecke geholten und ins Regal gestellten Dosensuppen niemand haben wollte, was auch völlig nachvollziehbar ist, denn wer möchte schon in Quarantäne Ochsenschwanzsuppe essen müssen, deren Etikett schon deutlich angestaubt ist? Andererseits, wer möchte Mehl essen? Also nicht zu Blaubeerkuchen mit frischer Butter und frischem Quark verarbeitetes Mehl? Viele, offenkundig, aber gut, das haben diese Mehlhamsterer auch verdient, wenn die Krise erstmal da ist, also noch mehr da als jetzt.

Zum Glück hat man aber die besten Freunde der Welt, und der geliebteste von ihnen hatte noch ein Kilo übrig, das er gern gegen die Aussicht auf Blaubeerkuchen tauschte, denn »wenn ich erst mal Corona hab, dann fange ich bestimmt nicht das ­Backen an«. Es wurde dann ein ganz vorzüglicher Blaubeerkuchen und nun ist das Mehl halt alle. So gehört das, ha!